Der erschlagene Drache

From Pasakas un teikas
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Comments: J. Bajārs in Menģele hat aufgeschrieben: Ein Kleinknecht und eine Magd mussten nachts Korn mahlen. Der Knecht wunderte sich, dass sie mit dem Mahlen gar nicht fertig werden konnten. Schließlich zündete er Licht an und bemerkte, dass ein kleines graues Vögelchen auf der Mahlstange hockte. Er erschlug es. Da stand das Haus gleich in Flammen.


Ein Bauer hatte eine schlechte Ernte. Dennoch hatte er genug Brot. Die Nachbars Bäuerin, ein neidisches Weib, wunderte sich: "Wo mag er nur das Brot hernehmen, wenn das Getreide so schlecht gediehen ist? Ob er vielleicht einen Drachen hält?"

Eines Tages begegnete die Nachbarin der Magd des Bauern und fragte sie aus: wie viel Ertrag sie beim Dreschen gehabt hätten, wie viel Korn, wie viel Spreu, wie viel Stroh?

"Beim Dreschen haben wir so gut wie nichts gehabt", antworteten die Mägde, "aber zum Mahlen langt es für das ganze Jahr. Unsere Bäuerin schüttet nur ein wenig Korn in die Mühle, aber man kann dasselbe nicht fertigmahlen: woher es kommt, woher nicht, es ist immer Korn in der Mühle."

"Hört mal", rief die Bäuerin aus, "so wird man euch ja noch totarbeiten lassen. Von morgens früh bis abends spät mahlen und mahlen — wer kann denn das auf die Dauer aushalten! Aber hört auf mich — heimlich kann ich euch ja belehren: wenn ihr morgen beim Mahlen seid, so seht euch in der Mahlkammer um, ob ihr nicht in der Nähe der Mühle ein Mäuschen, eine Ratte, eine Spinne oder ein anderes Tierchen entdeckt. Bemerkt ihr eines, so schlagt es gleich tot! Dann werdet ihr auch leichtere Tage haben!"

Als die Mägde nun wieder in die Mahlkammer gingen, sahen sie sich dort um. Und wahrhaftig: sie erblickten gleich ein kleines Mäuschen auf der Mahlstange. Sie erschlugen es gleich. Nachdem sie eine Weile gemahlen hatten, bemerkten sie, dass es kein Korn mehr in dem Mühlsteinauge gab. Sie gingen zu der Bäuerin und sagten, sie seien mit dem Mahlen fertig. Aber da erschrak die Bäuerin gewaltig und rief aus: "Ach, Gottchen, habt ihr etwa ein Tierchen in der Mahlkammer erschlagen?" "Wir haben nur ein kleines Mäuschen erschlagen." "Oh, weh, oh, weh! Nun sind wir ohne Brot geblieben!" Und von dem Tag an hatten sie wahrhaftig nicht mehr zu essen. Auch den Mägden ging es schlecht: es fehlte nicht viel, da wären sie hungers gestorben.

Ja, was sollte der Bauer ihnen auch geben, wenn er selbst nichts hatte.

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