Die Wohnorte der Teufel

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Comments: Das ist eine Buchsage, die mit Büchern zu den Letten gekommen ist, aber sehr verbreitet ist die Ansicht, dass der alte Teufel der Herrscher über andere Teufel sei, dass er angekettet sei und dass der Spiegel seine Erfindung sei. P. Š.


In alten Zeiten, als Salomo noch lebte, der sehr klug war, waren Gott und Teufel seine Freunde. Einmal kam Salomo mit seinen Hofleuten zum Teufel zu Besuch. Darüber war der Teufel sehr glücklich. Er pfiff, und sogleich eilten die Diener des Teufels herbei und brachten Speisen und Getränke auf den Tisch. Der Teufel bewirtete Salomo so gut er nur konnte. Salomo aber wunderte sich: sobald der Teufel pfiff, kamen die Diener gelaufen, dass die Schwänze und die Hörner nur so blitzten.

Da fragte er den Teufel, wie es denn komme, dass seine Diener so überaus gehorsam seien. Er, Salomo, habe keine so gehorsamen Diener. Zwar lasse er sie ins Gefängnis werfen, aber auch das helfe nicht. Und Salomo fragte den Teufel, ob er seine Knechte ebenfalls ins Gefängnis werfe und wie er es mache. Da sagte der Teufel, er habe gehorsame Knechte, wenn einer aber nicht gehorchen wolle, so werde er bestraft. Ein Gefängnis habe er nicht, deshalb werfe er seine Knechte auch nicht ins Gefängnis. Da wollte Salomo wissen, auf welche Weise der Teufel denn seine Knechte bestrafen könne. Nun erzählte der Teufel, wie er es mache: er könne Hunderte seiner Knechte in einen Behälter sperren, aus dem sie nicht herauskönnten. Nachdem Salomo und der Teufel sich so ausgesprochen hatten, sagte der Teufel, dass auch er, Salomo, seine (des Teufels) Knechte bestrafen könne, wenn sie etwas getan haben, was ihm nicht recht sei. Er solle ein eichenes Fass mit einem Spundholz aus Eberesche anfertigen lassen. Dann solle er dreimal pfeifen: gleich werde der Oberste der Teufel zur Stelle sein. Dann solle er sagen: "Geh mit allen deinen Knechten ins Fass hinein!" Und dann müsse er gehen.

Nachdem Salomo lange genug der Gast des Teufels gewesen war, machte er sich auf den Heimweg. Als er wieder in seinem eigenen Reich war, dachte er: "Die Menschen stehlen, sie bringen einander um — und der Teufel hetzt sie zu solchen Taten auf. Man müsste versuchen, den Teufel in das Fass zu treiben, dann wird man ja sehen, ob die Menschen noch immer zu schlechten Taten angestiftet werden."

Salomo ließ ein eichenes Fass mit einem Spundholz aus Eberesche anfertigen. Als das Fass fertig war, pfiff er dreimal. Gleich war der Oberste der Teufelsknechte zur Stelle und fragte:

"Was wünscht Ihr, Herr?"

"Rufe alle deine Knechte herbei!" befahl Salomo.

Einen Augenblick darauf hatte der Oberste der Teufel alle seine Knechte herbeigerufen und sprach:

"Herr, ich und meine Knechte, wir sind da!" "Ihr macht große Unordnung in meinem Reich. Ihr hetzt die Menschen auf und stiftet sie zu bösen Taten an. Kriecht jetzt in das Fass hinein!"

Nichts zu machen, die Teufel krochen in das Fass hinein. Salomo verspundete das Fass ganz fest und versiegelte es mit seinem Ring. Dann bereiste Salomo sein Reich, um zu sehen, ob die Leute sich noch stritten und einander bestahlen. Nein, sie lebten alle in Frieden und Eintracht. Die Teufel, die die Menschen zu bösen Taten anstiften, waren nicht mehr da. Salomo verließ sein Reich und reiste drei Jahre lang in der Welt umher. Überall herrschte Friede und Eintracht. Er freute sich, dass die Menschen so gut geworden waren, und kehrte im vierten Jahr in sein Reich zurück. Als Salomo in sein Reich zurückgekehrt war, begegnete er zwei Menschen, die zum Gericht unterwegs waren. "Sonderbar," dachte Salomo, "was können die denn für Händel haben?"

Salomo fragte die Männer, was sie denn vor dem Gericht wollten?

"Ja," sagte da der Eine und wies nach dem Anderen: "Er will immer streiten und man kann sich vor ihm nicht retten!"

Salomo ging weiter. Da sah er einen Mann, der auf dem Felde seines Herrn Getreide stahl.

Die Teufel waren schon seit vier Jahren in dem Eichenfass. Der alte Teufel hatte keine Arbeit mehr. Niemand stahl mehr, niemand stritt sich mit anderen, denn die Teufelsknechte, welche die Menschen zu solchen Taten angestiftet hatten, waren eingesperrt. Der alte Teufel hatte die Knechte nötiger als das Essen, auf irgendeine Weise musste er sie aus dem Fass heraus bekommen. Der alte Teufel überlegte und überlegte, wie er seine Knechte herausbekommen könnte. Schließlich fertigte er einen sehr großen Spiegel an. Davor soll es keine Spiegel gegeben haben. Diesen Spiegel brachte er aufs Schloss des Salomo. Salomo selbst war noch nicht zu Hause, er befand sich noch auf seiner Weltreise. Zu Hause waren nur seine dreihundert Frauen. Der Teufel brachte den Spiegel der Lieblingsfrau Salomos und stellte ihn vor ihr hin. Der Frau Salomos gefiel es sehr, dass sie sich selbst im Spiegel betrachten konnte. Sie rief auch die anderen Frauen Salomos herbei, und nun drehten sie sich alle vor dem Spiegel und freuten sich. Der Teufel war aber nur dann bereit, den Frauen Salomos den Spiegel zu lassen, wenn sie versprachen, das Spundholz aus dem Eichenfass zu ziehen. Die Frauen wussten nicht, was in dem Fass verwahrt wurde, und sie ahnten auch nichts Schlimmes. Der Spiegel gefiel ihnen gar zu sehr, und sie wollten ihn behalten. Der Teufel wollte ihnen den Spiegel aber erst dann geben, wenn sie das Spundholz entfernt haben würden. Da begaben sie sich alle zum Faß. Der Teufel hielt den Spiegel, und die Frauen quälten sich mit dem Spundholz ab. Schließlich gelang es ihnen, es herauszuziehen.

Dem Fass entquoll schwarzer Rauch. Da warf der Teufel den Spiegel hin und lief davon. Die Frauen wollten das Fass wieder verspunden, aber das gelang ihnen nicht: das Spundholz prallte immer wieder zurück.

Salomo kehrte nach Hause zurück und wollte nachsehen, ob das Fass noch in Ordnung sei. Nein, das Spundholz war herausgerissen und das Fass war leer. Salomo war sehr ärgerlich, dass man die Teufel ohne sein Wissen befreit hatte. Er fragte die Frauen, wer das Spundholz entfernt habe. Die Frauen erzählten ihm, wie alles geschehen war: dass der Teufel einen Spiegel gebracht, aber ihn eher nicht hergegeben hatte, bis das Spundholz herausgezogen hatte. Der Spiegel aber habe ihnen so gut gefallen, dass sie das Spundholz herausgezogen hatten, um ihn behalten zu können.

Da wollte Salomo die Teufel wieder einsperren. Er pfiff dreimal. Gleich war der Oberste der Teufel zur Stelle und fragte:

"Was wünscht der Herr?"

"Warum habt ihr das Fass verlassen?" fragte Salomo.

"Man hat uns freigelassen," antwortete der Oberste der Teufel.

"Rufe deine Knechte herbei und kriecht in das Fass zurück!"

Aber diesmal rief der Oberste der Teufel nicht mehr seine Knechte herbei, sondern lief auch selbst gleich fort. Salomo ließ Speisen und Getränke bereiten und begab sich zu dem alten Teufel. Unterwegs wurde Salomo hungrig. Er setzte sich auf einen Stein und begann zu essen. Aber unter dem Stein befanden sich die Teufelskinder. Sie stießen den Stein um. Salomo fiel zu Boden, und alle Speisen verstreuten sich in Sand. Nun waren sie verdorben. Da wurde Salomo wütend und begann die Teufelskinder zu prügeln. Die Kinder liefen zu dem alten Teufel und erzählten ihm, wie sie Salomo verspottet hatten. Da freute sich der alte Teufel und sprach: "Das ist gut, Kinder, dass ihr ihn so genarrt habt; ich will nicht mehr sein Freund sein!"

Salomo ging zu dem alten Teufel und beklagte sich, dass seine Knechte ihm nicht mehr gehorchen wollten. Aber der alte Teufel wich aus und sagte schließlich zu Salomo: "Ich habe dir zwar gesagt, dass man meine Knechte belehren kann, wenn sie dir nicht gehorchen. Aber du hattest sie alle in einem Faß eingesperrt, und ich bin ohne Arbeit geblieben. So war es nicht vereinbart."

Salomo redete noch hin und her, aber der Teufel ließ sich nicht überzeugen und wollte nicht mehr der Freund Salomos sein.

Da begab sich Salomo zu Gott und klagte den Teufel an. Gott ließ den alten Teufel an einen Fels mitten im Meer anschmieden. Aber nun tobte der alte Teufel wie toll und schickte seine Knechte nach allen Seiten aus. Es ging jetzt noch viel schlimmer zu als damals, als der Teufel noch seine Freiheit hatte. Da sagte Gott, er werde seinen Sohn auf die Erde hinunterschicken. Der Sohn Gottes schmiedete den alten Teufel an den allergrößten Fels des allergrößten Meeres, und von da ab wurde der Teufel viel ruhiger.

Wenn jemand sonntags arbeitet, so hilft er dem Teufel, seine Ketten zu lockern. Wenn die Menschen sonntags dagegen nicht arbeiten und dazu noch ordentlich leben, dann legen sich die Ketten noch fester um den Teufel.

Aber eines Tages werde der Teufel loskommen, und dann werde er noch viel ärger toben als vorher.

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