Die Wohnorte der Teufel

From Pasakas un teikas
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Nicht weit von dem Jumurda-Gut an der Landstraße nach Vecpiebalga befindet sich zur linken Hand ein großer Wald. Eine knappe Werst von der Landstraße entfernt befindet sich ein kleiner See — der Karietes-See (kariete = die Kutsche).

Mehrere Jahrhunderte sind seit der Zeit vergangen, als in den Piebalga- und Ērgļi-Schlössern gewalttätige Herrscher lebten, die sich gar nicht um das Wohl ihrer Leute kümmerten. Beide Schlossherren, die ja schließlich nahe Nachbarn waren, besuchten sich gegenseitig. Der Kutscher musste in solchen Fällen überaus pünktlich sein. Ein Wort: da musste er schon auf dem Kutschbock sitzen und warten, dass sein Herr herauskam. Wegen der kleinsten Unaufmerksamkeit bekam sein Rücken Schläge zu spüren. Der eine Kutscher aus Piebalga hatte es gar zu schwer. Er musste immer zwei Herrinnen — die Leute hatten sie als Hexer verschrien — von Piebalga nach Ērgļi und von Ērgļi nach Piebalga kutschieren. Wenn sie nun wenigstens bei gutem Wetter gefahren wären, da könnte man ja nichts dagegen sagen, aber nachts fahren, wenn es so dunkel war, dass man einen Nadelstich weiter nichts sehen konnte, wenn ein Sturmwind jedes Geschöpf dazu zwang, ein Obdach zu suchen, wenn es donnerte und die Blitze wie Feuergarben einem die Augen blendeten, ja, bei einem solchen Wetter musste der arme Kutscher losfahren.

An einem heißen Sommerabend konnte man sehen, dass sich im West an schwere Wolken zusammenzogen, die sich immer mehr ausbreiteten. Kurz darauf bekam der Kutscher den Befehl bereit zu sein. Aber er beschloss sich in dieser Nacht für immer von seinen verdammten Peinigerinnen zu befreien. Als er merkte, dass das Gewitter heraufzog, besorgte er schon vorher zwei Stücke Leinwand. Unterwegs wurden sie dann auch von einem furchtbaren Ungewitter überrascht. Als sie an den Wald kamen, hielt der Kutscher die Pferde an und sagte, er wisse nicht, was ihnen den Weg versperre, auf jeden Fall wollten die Pferde keinen Schritt weitergehen. Er sprang vom Kutschbock herab, eilte nach vorn und band den Pferden die Augen mit der Leinwand zu. Dann setzte er sich wieder auf den Bock und fuhr weiter, als wäre gar nichts geschehen. Nach einer Weile lenkte er jedoch die Pferde von der Landstraße auf einen Nebenweg ab und fuhr tiefer in den Wald hinein. Der Kutscher setzte sich so hin, dass er — sobald es nötig war — augenblicklich abspringen könnte. Bald hatten sie den vorhin erwähnten kleinen See erreicht. Da sprang der Kutscher von seinem Kutschbock herunter und versetzte den Pferden solche Hiebe mit der Peitsche, dass sie mit ein paar Sätzen mit den Herrinnen in den See sprangen. Bei klarem ruhigen Wasser kann man noch heute auf dem Grund des Sees die Kutsche sehen.

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