Die Wohnorte der Teufel

From Pasakas un teikas
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Vor etwa dreißig oder mehr Jahren hatte der Schlossherr von Dundaga in einem kleinen Teich, der sich an der Sabdaga — Landstraße, die nach Ventspils führt, befand, Goldfische ausgesetzt. Er wollte den Teich von einem Wächter bewachen lassen, damit ihm niemand die Goldfische stehlen konnte. Aber in der Nähe des Teiches befand sich kein Haus. Nun dingte der Schlossherr einen Mann, der rings um den Teich die Bäume fällen und die Büsche roden sollte. Dann wollte er ihm dort ein kleines Haus erbauen lassen, in dem er leben und die Fische bewachen könnte. Es war im Winter, aber schon gegen den Frühling, so um die Fastenzeit herum, als der Mann den Wald zu roden begann. Sein Haus befand sich eine gute Meile von dem Arbeitsplatz entfernt. Zuerst ging er nach beendeter Tagesarbeit abends nach Hause; als die Nächte jedoch gegen den Frühling kürzer wurden, hatte er keine Lust, abends nach Hause zu gehen und übernachtete am Teich.

Er erbaute sich aus Ästen ein Hüttchen, machte ein Feuer an und legte sich schlafen. Er war ein ehrlicher, gottesfürchtiger Mann. Auf der anderen Seite der Landstraße befand sich der Karatkalns (Galgenberg). Der Mann setzte sich ans Feuer, briet sich ein Stück Lammfleisch, aß, bereitete sich ein Lager,

indem er Tannenzweige als Unterlage und Kopfkissen benutzte, deckte sich mit seinem alten Pelzchen zu und legte sich so nahe ans Feuer, dass er ordentlich gewärmt wurde. Er bekreuzigte sich und sagte: "Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, steht mir bei!" Er streckte sich aus und war kurz darauf eingeschlafen. Die Nacht war klar und es fror. Es gab kaum noch Schnee, auf Nebenstraßen und auf Wiesen konnte man zwar noch mit Schlitten fahren, aber auf der Landstraße ging es nicht mehr, da fuhren schon alle mit dem Wagen, dass es nur so ratterte. Die Straße war recht glatt. Gegen Mitternacht wachte der Mann auf und sah, dass das Feuer fast ausgebrannt war. Er schürte es und wärmte sich daran. Auf einmal hört er, dass aus der Richtung von Dundaga jemand die Landstraße entlanggefahren kommt, was in der stillen Nacht weithin zu hören ist. Das kümmert den Mann nicht — dazu ist ja die Landstraße da, dass man sie entlangfährt. Als das Gespann jedoch die Rodung erreicht hat, auf der er tagsüber gearbeitet hatte, biegt es von der Landstraße ab und kommt geradeswegs auf seine Hütte zu gefahren. Es fährt bis ganz nahe an das Feuer heran. Der Mann sieht ganz deutlich: zwei Rappen vor einer schwarzen Kutsche, ein schwarzer Kutscher auf dem Kutschbock und ein schwarzer Herr in der Kutsche. Der Mann schaut über das Feuer hinweg die Pferde, den Kutscher, die Kutsche und den Herrn an, faltet die Hände und seufzt: "Ach du mein lieber Herr Jesus, was sind denn das nur für Herren, die um Mitternacht hier herumfahren!"

Nachdem er diese Worte ausgesprochen hat, zieht der Kutscher an den Zügeln, und die Pferde laufen mit der Kutsche und dem Kutscher und dem Herrn in der Kutsche den Hügel hinab und in den Teich hinein. Als der Mann das sieht, erzittert er am ganzen Leib. Einschlafen kann er nicht mehr, und man weiß nicht, wie er den Rest der Nacht verbracht hat.

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