Die Teufel tragen Steine

From Pasakas un teikas
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In alten Zeiten, als der Teufel noch über die Erde herrschte, gab es keine Berge. Der Teufel trieb sich Tag und Nacht auf der Erde umher.

Einmal begegnete er einem Burschen, der sich um eine lange Leiter mühte. Der Teufel konnte nicht verstehen, was der Bursche beabsichtigte, deshalb ging er auf ihn zu und fragte ihn, was er mit der Leiter anstellen wolle. Er verwandelte sich in einen schmucken Herrn und fragte den Burschen: "Was tust du hier?"

"Ich will die Leiter aufrichten, gnädiger Großherr, um in den Himmel zu kommen! Hier auf Erden habe ich ein schweres Leben und muss viel arbeiten, um mein tägliches Brot zu verdienen, aber im Himmel muss es wunderschön sein — wie man hört — Gold hat man dort in Fülle und arbeiten muss man dort gar nicht. Ich weiß nur nicht, ob ich hinaufkommen werde, denn es ist sehr schwer, die Leiter aufzurichten."

Als der Teufel das hörte, stockte ihm fast der Atem. Er sagte kein Wort mehr und eilte nach Hause — zur Hölle.

Es vergingen einige Stunden. Während dieser Zeit überlegte der Teufel, wie er in den Himmel kommen könnte. Bald hatte er einen Einfall: er begab sich an den Fluss und begann, große Steine zu sammeln, die er auf einen Haufen schichtete. Als der Steinhaufen Bereits mannshoch war, kletterte der Teufel mühsam hinauf und versuchte, die Wolken zu erreichen. Aber vergeblich. Die Wolken waren noch immer sehr hoch. Der Teufel verlor jedoch nicht die Geduld, sondern schichtete noch mehr Steine aufeinander. Als der Steinhaufen dreimal so hoch war wie zu Anfang, versuchte er wieder, die Wolken zu erreichen, aber er konnte und konnte es nicht, und die Wolken schienen noch genau so hoch zu sein wie zuvor. Da nahm der Teufel alle Kräfte zusammen und ging noch eifriger an die Arbeit. Er schichtete Stein auf Stein, und nun ragte der Steinhaufen fast bis zu den Wolken hinauf.

Plötzlich schrie jemand hinter dem Rücken des Teufels laut auf: "Kikerigu-u-u!" Vor Angst rollten dem Teufel die Steine aus den Armen und polterten den Steinhaufen hinunter, wobei sie noch andere Steine mit sich rissen. Als der Teufel wieder zu sich kam, drehte er den Kopf nach dem Schreier um: dort stand sein Feind, der Hahn, der schon häufig das Werk des Teufels zerstört hatte. Der Hahn schickte sich gerade an, dem Teufel auf den Kopf zu springen. Tödlich erschrocken, fauchend und schnaubend, flog der Teufel mit einem Satz auf den Gipfel des Steinberges. Aber bei dem heftigen Sprung begann der Steinhaufen zu wackeln, und die Steine flogen nach allen Seiten.

Der Teufel glaubte, sein letztes Stündchen sei gekommen, und begann zu schreien: "Liebe Brüderchen, rettet mich, rettet mich!" Die anderen Teufel hörten das. Schnell ergriffen sie rotglühende Gabeln, Zangen und Eisenkeulen und eilten ihrem Kameraden zu Hilfe.

Von diesem Lärm war der Hahn nicht weniger erschrocken als der Teufel. Als er die Teufelschar sah, die dem schreienden Teufel zu Hilfe eilte, ergriff er schleunigst die Flucht. Den Teufeln gelang es jedoch nicht, ihren Kameraden zu retten, denn die rollenden Steine hatten ihn erschlagen.

An den Stellen, wo die großen Steine aus dem Steinhaufen des Teufels nach dem Wegrollen liegen geblieben sind, sind in Jahrtausenden hohe Berge entstanden, dort aber, wo der Teufel selbst hingefallen war, ist ein großer See entstanden.

Bis zum heutigen Tag ist es keinem Teufel gelungen in den Himmel zu kommen. Der Bursche aber kam in den Himmel, denn in die Hölle ließen ihn die anderen Teufel nicht hinein, weil er ihren Kameraden angeführt hatte. Aber ob er im Himmel zu Geld gekommen ist, das weiß niemand zu sagen.

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