Die Teufel tragen Steine

From Pasakas un teikas
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In Livland, an der Landstraße, die von Riga nach Daugavpils (Dünaburg)führt, auf einer Anhöhe in der Nähe des Postleja-Gutes (Klauenstein) befindet sich ein großer, in zwei Teile gespaltener Stein. Der obere Teil, (der kleiner ist als der untere Teil, liegt etwa einen Klafter weit von dem letzteren entfernt. Über diesen Stein erzählt man die folgende Sage.

Nachdem das Strombett der Daugava (Düna) fertiggegraben war, erschrak der Teufel sehr, denn er befürchtete, dass nun alle Sümpfe austrocknen würden, so dass weder er selbst noch seine Nachkommen eine Behausung finden würden, denn die Teufel wohnten in den Sümpfen. Der Teufel fand eine Stelle, an der die beiden Dünaufer sehr steil und felsig waren und beschloss, den Strom an dieser Stelle zu versperren. Nicht weit von der Stelle fand er einen riesigen Steinhaufen. Er packte den größten Stein, hob ihn auf seine Schultern und eilte zur Düna. Fast hatte er das Ufer erreicht, da krähte der Hahn. Dem Teufel ist es erlaubt, seine Werke nur bis zum ersten Hahnenschrei zu verrichten. Deshalb schleuderte er den Stein mit einer solchen Wucht auf die Erde, dass er in zwei Teile gespalten wurde: der obere Teil rollte etwa einen Klafter weiter und blieb dann liegen. Noch bis zur heutigen Zeit kann man kurz vor Mitternacht die Schritte des Teufels hören, wenn er die Steine umkreist. Aber sobald der Teufel an die Arbeit gehen will, kräht der Hahn, und die ganze Mühe ist vergeblich. Man kann mit Sicherheit sagen, dass die Behausung des Teufels sich weit von dem Stein befinden muss, so dass er nicht es in der Lage ist, früher zu dem Stein zu gelangen, als kurz vor dem ersten Hahnenschrei.

So hat er den Strom mit einem Damm nicht absperren können, und die Düna fließt noch heute ungehindert zum Meer. Das Postleja-Gut befindet sich diesseits von Koknese — in Livland.

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