Teufel als Zuträger von Schätzen

From Pasakas un teikas
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Einmal fuhr an späten Abend ein Arbeiter von der Fronarbeit heim. Auf dem Weg trat an ihn ein Herr heran und sagte: "Mann, fahre mich im Dunkel der Nacht nach Jelgava (Mitau)!" Der Arbeiter antwortete: "Wie sollte ich, Herr, eine so weite Strecke fahren? Ich fahre ja von der Fronarbeit heim, mein Pferdchen ist müde und es ist auch schon spät am Tage." Der Herr aber erwiderte: "Sei nicht bange, fahre mich nur hin, in einer Stunde sind wir am Ziel." — "Nun, wenn Ihr meint, Herr, und es durchaus wünscht, so will ich meinethalben fahren." Kaum hatte er es ausgesprochen, so saß der Herr auch schon in Wagen und — barmherziger Gottes — es war als wären dem Pferde Flügel gewachsen, so flog es windschnell dahin. Unterwegs aber rief der Herr: "Halt! Du musst aussteigen und einen tüchtigen Ebereschenknittel schneiden." Der Arbeiter schnitt den Knittel, und der Herr belehrte ihn, was mit dem Knittel geschehen solle: "Sobald wir in der Stadt sind, werden wir uns aufs Schloss begeben. Im Schloss liegt an einer Stelle ein Edelfräulein auf einen Tisch, die ist tot. Unter dem Tisch steht die Geldtruhe des Edelfräuleins. Sei nur nicht bange. Am Tische werden freilich mehrere Herren sein, die sitzen bei der Toten, aber dich werden sie nicht gewahren. Diese Geldtruhe will ich in die Hände kriegen. Aber da könnte ich es bald mit einem Gegner zu tun kriegen. Deshalb folge mir streng! Sollten wir uns um der Kiste willen in die Haare geraten, zu raufen anfangen, vielleicht ernstlich miteinander kämpfen, und er, was ja möglich ist, über mich gewinnen, so komm mir zu Hilfe: komm hinzu und versetze ihm mit dem Knittel einen kreuzweisen Hieb." Und wirklich kam alles, wie es der Herr gesagt hatte. Sie fuhren in die Stadt, begaben sich sogleich aufs Schloss, da war eine Stube voller Herren, die zechten und steckten im Gespräch die Köpfe zusammen, auf dem Tische ab lag das tote Edelfräulein. Unter dem Tische wiederum stand die Geldtruhe des Fräuleins. Der Arbeiter sieht: sein Herr macht sich, eben angekommen, sofort an die Truhe. Aber auch ein anderer Herr eilt heran und macht sich auch an die Kiste.

Beide fangen an sich zu schimpfen und sich um die Kiste zu zanken, und zuletzt geht´s ans Raufen. Der Arbeiter beobachtet: der fremde Herr ist stärker, er fängt schon an, die Oberhand über seinen Herrn zu kriegen. Da packt er den Ebereschenknittel und haut den Fremden übers Kreuz, und der ist plötzlich verschwunden, und die Truhe bleibt seinem Herrn. Der Herr bemächtigte sich der Truhe und sagte: "Gehen wir!" Und im Handumdrehen waren sie wieder an derselben Stelle zurück, von der sie ausgefahren waren. Jetzt sagte der Herr zu seinem Fahrer: "Du hast mir großartig geholfen; sprich, was du dafür wünschst" Der Arbeiter antwortete: "Was soll ich da groß wünschen — wie viel Ihr mir geben wollt, gebt halt!" — "Gut," erwiderte der Herr, "hast du vielleicht ein Säckchen da?" — "Das habe ich wohl, das ist so ein Hafersäckchen für mein Pferd." — "Halt es hier!" Er schüttete ein tüchtiges Teil von dem Gelde hinein. Der Arbeiter war so froh, so froh, nur das fragte er den Herrn, wo er wohl das Geld verwahren solle. "Alle wissen, doch, dass ich ein armer Schlucker bin; und wenn man mein Geld sieht, wird man es mir wegnehmen und mir werden nur Unannehmlichkeiten daraus entstehen." Aber der Herr erwiderte: "Wirf den Sack auf den Korndarren Ofen und greif nur hinein, wenn du es brauchst, dann wird niemand es merken und den Sack in die Hand bekommen." Der Arbeiter dankte den Herrn für diesen Rat und fuhr froh nach Hause.

Zu Hause nahm er den Sack mit dem Geld und warf ihn auf den Korndarren Ofen. Nun fing der Arbeiter sein Geld allmählich zu verbrauchen an: er kaufte sich gutes Hausgerät und änderte seine ganze Einrichtung nach Art der Reichen. Die Nachbarn, denen es nicht entging, machten sich Gedanken: "Wie ist der arme Schlucker plötzlich so reich geworden? Wo hat er das Geld erhascht? Hat er nicht vielleicht jemand beraubt?" Das gerade kam auch dem Gutsherrn selbst zu Ohren. Der Herr beschied ihn gleich zu sich und fragte ihn aus: "Wo hast du das Geld her? Du warst arm und bist jetzt reich, wie ist das zugegangen?" Der Arbeiter sieht: das Verhehlen hat keinen Zweck mehr, er wird lieber die volle Wahrheit gestehen. So und so sei er zu Gelde gekommen. — "Und wo hast du es verbogen?" — "In der Korndarre, auf dem Ofen." Der Herr schickte gleich seine Diener nach dem Geld. Die Diener gehen in die Hütte des Arbeiters, suchen und suchen — das Geld war zwar auf dem Ofen, aber sie fanden es nicht. Da befahl der Herr der Arbeiter selbst das Geld zu bringen. Nichts zu machen, er musste nach Hause gehen, das Geld holen und mit Tränen in den Augen dem Herrn bringen.

Aber um Mitternacht, als der Herr vor Freude über das leicht erworbene Geld noch nicht eingeschlafen war, pochte plötzlich ein fremder Herr ans Fenster und rief: "Steh auf, Herr, ich habe mit dir etwas zu besprechen! Warum hast du dem Arbeiter sein von ihm verdientes Geld fortgenommen? Ich sage dir: wenn du das Geld nicht sofort zurückträgst und eigenhändig dem Arbeiter übergibst, so sollen alsbald deine Gebeine bleichen." Zitternd vor Furcht nahm der Herr das Geld, stieg in seine Kutsche und fuhr zum Arbeiter. "Da hast du dein Geld," sagte er, "verwahre und verbrauche es nach Belieben, ich bedarf seiner nicht."

Der Fürsprecher des Arbeiters war natürlich derselbe Herr, von dem er auf seiner Fahrt nach Jelgava das Geld erworben hatte.

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