Teufel als Zuträger von Schätzen

From Pasakas un teikas
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Einmal waren drei Nachbarn, die beiden Ķūti-Väter und der Biezais-Vater zusammengekommen, wie die Bauern von Zeit zu Zeit zu tun pflegen, um sich über die Feldarbeit, die Saat und den Wohlstand zu unterhalten. Als sie anfingen, vom Wohlstand zu sprechen, da sagte der Biezais-Vater: "Nun, wer hat denn auch noch solche Ställe, solche Pferde und so volle Vorratshäuser wie die Ķūti-Väter?" Da sagte der eine Ķūti-Vater:

"Wenn du es gern möchtest, Nachbar — nur darfst du darüber nicht reden, dann kannst du genau so volle Ställe und Vorratshäuser haben wie wir."

"Wie könnte denn das geschehen?"

"Komm heute Abend mit uns, dann wirst du es sehen!"

"Wohin wollt ihr mich denn mitnehmen, Nachbarn?"

"Frage nicht, wohin, Biezais-Vater, komm nur mit!" Gut. Der Nachbar war zum Mitgehen bereit, und am Abend nach dem Sonnenuntergang gingen sie alle drei davon. Unterwegs erzählten ihm seine Nachbarn, die beiden Ķūti-Väter, dass sie einen Ort hätten, an dem einem alle zu verrichtenden Arbeiten gesagt werden. Deshalb müssten sie alle drei dort übernachten, um am nächsten Morgen alles Notwendige zu erfahren. So gingen sie eine lange Strecke, bis sie schließlich an einen angekohlten Espenstumpf kamen. Einer der Ķūti-Väter klopfte an, gleich darauf erblickten sie ein Loch (eine Höhle) und stiegen hinab, bis sie in einen großen Raum gelangten. In dem Raum befand sich ein großer Ofen, in dem das Feuer prasselte. Auf Mauervorsprüngen lagen verschiedene Waffen (auch: Werkzeug). Biezais-Vater konnte nicht begreifen, wozu solche Geräte gut seien. Da kam ein furchtbarer dreiköpfiger Alter herein, und nun verstand Biezais-Vater sogleich: wo er sich befand. Die beiden Nachbarn und der Alte begrüßten sich wie alte Bekannte, und die Ķūti-Väter erzählten ihm, warum sie ihren Nachbarn mitgebracht hätten. Der Alte sagte, sie sollten sich alle drei hinlegen, dann ging er hinaus. Die beiden Ķūti-Väter legten sich auf die Ofenmauer hin. Biezais-Vater aber, der die Wärme sehr liebte, kletterte auf den Ofen, legte sich seinen zusammengerollten Mantel unter den Kopf, bekreuzigte sich und lag. Die beiden Nachbarn, die auf der Ofenmauer lagen, waren bald eingeschlafen und schnarchten. Aber Biezais-Vater konnte keinen Schlaf finden. Als etwa eine Stunde vergangen war, hörte Biezais-Vater einen sehr lauten und grellen Pfiff. Darauf entstand großes Lärmen. Aber seine Nachbarn schliefen wie tot. Das Zimmer füllte sich mit Teufeln. Sie flüsterten miteinander und machten sich an den beiden Nachbarn zu schaffen. Dann holte der große Teufel selbst die Aderlassgeräte hervor und ließ die Beiden zur Ader. Die anderen Teufel hielten Schüsseln zum Auffangen des Blutes hin. Da bekam Biezais-Vater eine solche Angst, dass er am liebsten aufgesprungen und davongelaufen wäre, aber er durfte keinen Lärm machen. Er dachte: tot werde ich ja nun sowieso sein, wenn sie auch mir so viel Blut ablassen. Nachdem die Teufel beendet hatten, die Nachbarn zur Ader zu lassen, sagte der große Teufel, jetzt müsse man sich den Neuen vornehmen. Biezais-Vater wüsste nun nicht mehr, wo er sich verstecken sollte. Da dachte er: "Nun ist es ja gleich — was wird, das wird." Der große Teufel trat an ihn heran, aber dann sagte er zu den anderen Teufeln: "An diesen können wir nicht heran, er hat die Schere auf der Brust," und die Teufel gingen davon.

Am nächsten Morgen kamen sie wieder herein und erzählten den beiden Nachbar-Vätern: so und so sollten sie pflügen und dann und dann sollten sie säen. Da wandte sich der große Teufel Biezais-Vater zu und sagte: "Diesem braucht man nichts zu erzählen." Dann verschwanden alle Teufel. Alle drei Nachbarn gingen nach Hause: aber die zwei waren blass wie zwei Tote und konnten mit Biezais-Vater gar nicht mehr Schritt halten. Biezais-Vater fragte sie, ob sie in der Nacht auch das grille Pfeifen gehört hätten, aber sie antworteten, sie hätten nichts gehört, nur einen bleischweren Schlaf gehabt. Dann erzählte Biezais-Vater seinen Nachbarn alles, was er in der Nacht gesehen und gehört hatte. "Seht, deshalb habt ihr jetzt keine Kraft und könnt kaum gehen!" Beide Nachbarn gelobten, in der Zukunft nicht mehr die Teufel um Rat zu fragen. Von der Zeit ab kamen sie alle drei auch ohne die Ratschläge der Teufel aus. Sie lebten ganz glücklich. Das letzte Mal hatte der Teufel zwar geraten, die Nachbarn sollten ihr Haus an einer anderen Stelle errichten, aber sie hörten nicht mehr auf ihn, und es geschah ihnen auch nichts Schlechtes.

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