Teufel als Zuträger von Schätzen

From Pasakas un teikas
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Einem Bauer war soeben sein Korn gereift: er ging, es zu betrachten und zu überlegen, an welchem Tage es geschnitten werden sollte. Da sah er einen großen Vogel durch das Korn stelzen. Der Vogel hatte schon ein gutes Teil des Korns niedergetreten. Der Bauer geriet in Zorn: er ergriff sogleich einen Knittel und fiel über den Vogel her: "Ich will dich lehren, mein Korn niederzutreten!" Der Vogel aber bat kläglich: "Schlag mich nicht, damit machst du nichts besser. Lieber verpflege mich, dann will ich dir geben, was mehr wert ist als alle deine Felder und dein ganzes Haus."

Der Bauer glaubt es, nimmt den Vogel auf seine Schulter und trägt ihn heim in den Verschlag. Nun füttert und füttert er ihn, aber der Vogel verzehrt unheimlich viel. Nach einer Woche sagt der Bauer ganz heftig zum Vogel: "Hör, du Nimmersatt, alle meine Schafe sind schon hin, du frisst ja unsinnig viel — ich gebe dir nicht mehr."

"Sei still und sei nicht töricht, ich belohne dich nicht eher, als bis du alles in meinen Magen geliefert hast." Der Bauer füttert ihn wieder eine Weile.

"Hör, du Nimmersatt, alle Kühe sind schon hin — mehr gebe ich dir nicht."

"Sei still, ich belohne dich nicht eher, als bis du alles hergegeben hast."

Der Bauer füttert ihn wieder eine Weile.

"Hör, du Nimmersatt, alle Pferde sind schon hin, ich habe dir nichts mehr zu geben!" Jetzt steigt der Vogel flink aus dem Verschlag und spricht: "Komm mit in den Wald!" Sie gehen in den Wald, und der Vogel holt aus dem Dickicht ein Kästchen und sagt: "Hier ist dein Lohn, aber öffne das Kästchen nicht bevor du zu Hause bist!"

Der Bauer dankt und geht heim. Am Waldsaum dreht er sich um, um zu schauen, ob ihn der Vogel nicht sieht. Aber weiß der Teufel, wo der Vogel schon ist! "Warte!," denkt er "man muss doch ein wenig durch die Ritze luren, was in dem Kästchen enthalten sein mag!" Er öffnet den Deckel des Kästchens ein klein wenig, in demselben Augenblick aber erscheint ein wunderschönes Schloss und fliegt durch die Luft davon.

Der Bauer erhebt ein Wehgeschrei und rennt dem Schlosse nach, aber wie willst du es einholen? Indessen auf sein Geschrei erscheint hinter seinem Rücken ein großer Mann, (das war ein Teufel — der frühere Vogel) und spricht: "Da haben wir es! Zum Unglück habe ich das Schloss solch einem gegeben! Konntest du dich denn gar nicht beherrschen?" Nach diesen Worten ergriff der große Mann das Schloss und sperrte es wieder in das Kästchen.

Diesmal aber bezähmte der Bauer unterwegs seine Neugier; er kehrte heim, öffnete dort das Kästchen. Gleich trat ein goldenes Schloss zum Vorschein und pflanzte sich mitten auf den Hof. Jetzt lebte der Bauer in seinem Schloss, und es fehlte ihm an nichts.

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