Der Teufel hilft dem Jäger

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Zur Zeit der Hörigkeit hatte der Gutsherr des A.-Gutes zwei Jäger, der eine hieß Andrievs, der andere Repis. Die Jäger waren verpflichtet, jeden Tag eine gewisse Anzahl Hasen und Vögel zu erlegen. Kamen sie mit leerer Jagdtasche heim, dann waren ihnen Prügel sicher, Repis hatte ein großes Jagdglück: Vögel und Tiere liefen ihm sozusagen von allein vor den Lauf seiner Büchse, und er brachte jeden Tag eine volle Jagdtasche heim. Dafür liebte der Herr Repis, aber für Andrievs verging kaum eine Woche, in der er nicht seine 50 Stockschläge aufgezählt bekommen hätte. Die Leute sprachen schon längst darüber, dass Repis wohl mit dem Teufel befreundet sei und deshalb ein solches Jagdglück habe, aber der Gutsherr achtete nicht auf das Gerede.

Eines Abends streifte Andrievs ganz betrübt durch den Wald, aber er sah weder einen Hasen noch einen Vogel. Müde setzte er sich auf einen morschen Stamm und dachte daran, dass der Herr ihm am Abend wieder die Haut gerben lassen wird.

Da kam Repis auf ihn zu und fragte ihn: "Andrievs, warum bist du so betrübt?

"Wie soll ich denn nicht betrübt sein, ich habe den ganzen Tag nichts erlegen können. Du weißt ja gut, welche Freuden mir dann zu Hause erwarten."

"Ach, Unsinn! Befolge meinen Rat, dann wirst du Hasen und Vögel in Fülle haben," sagte Repis. Und dann sagte er: "Geh nächsten Sonntag in die Kirche zum Abendmahl, aber iss die Hostie nicht auf, sondern verwahre sie, dann werde ich dir später sagen, was du zu machen hast." Andrievs tat nach seinem Rat. Dann begegneten sich beide wieder im Walde, wo Repis ihn belehrte: "Schlitze ein wenig die Rinde des Birkenstammes auf und steck

die Hostie dahinter. Dann trete dreißig Schritte von der Birke zurück und schieße rückwärts über die Schulter in die Richtung der Birke, aber zurückschauen darfst du dabei nicht." Andreas tat, wie Repis ihn belehrt hatte, aber unwillkürlich schaute er kurz zurück. Erschrocken sieht er, dass hinter der Birke ein Mann steht, der sein Gesicht hat. Erschrocken lässt Andreas die Büchse sinken, aber Repis, schwarz und blau vor Wut, schreit ihn an: "Schieße, Taugenichts, schieße, sonst werde ich dich erschießen!" Andreas zittert am ganzen Leib und kann die Büchse kaum noch halten. Aber als er sieht, dass Repis sich tatsächlich anschickt, ihn zu erschießen, hebt er die Büchse und gibt einen so harten Schuss auf Repis ab, dass er sogleich umfällt. Nun läuft er zu der Stelle, an der Repis gestanden hatte, aber er findet niemand und nichts. Er geht zum Gutshof zurück, aber hört dort großen Lärm. Der Großherr, der soeben nach Hause gekommen war, hatte dem Koch befohlen, einen Birkhahnbraten zu Mittag zu bereiten. Der Koch bereitete ihn, die Diener trugen ihn auf und alle lobten seine Köstlichkeit, bis sie auf einmal einen Schuss im Walde hörten. Auf einmal bemerkten alle, dass auf der Schüssel kein Birkhahnbraten, sondern das widerliche Fleisch einer alten Krähe lag. Da eilte der Koch in den Keller und fand anstelle der Birk- und Auerhähne nur Krähen und Elstern. Anstelle der Rehe fand er alte Gäule, die Repis aus dem Walde herbeigeschafft hatte. Andrievs erzählte alles, was im Walde geschehen war, und der Herr sagte: "Es ist gut, dass du nicht geschossen hast, andernfalls hättest du deine eigene Seele getötet, denn Repis, wie man es jetzt sieht, war wohl der Teufel selbst." Von der Zeit an tat der Herr Andrievs kein Unrecht mehr an. Einsame Jäger begegnen jedoch noch mitunter Repis, der durch den Wald streift und sie bedrängt auf eine hinter der Birkenrinde versteckte Hostie zu schießen.

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