Der Teufel hilft dem Jäger

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Vor etwa vierzig Jahren — so schreib uns Kupfer — sei er mit einem alten Bauer, den die Leute einen Zauberer nannten, auf Auerhähne gegangen. Am Lagerfeuer habe ihm der Alte folgendes erzählt:

Einmal wurde ein Buschwächtergehilfe namens Pēteris vom Gutsherr sehr gemocht, weil er besser schießen konnte, als alle anderen Buschwächter. Deshalb versprach ihm der Herr, dass er eines Tages das Haus des alten Buschwächters, dessen Gehilfe er war, bekommen werde Pēteris war das sehr recht, denn er hatte sich in die einzige Tochter des alten Buschwächters verliebt. Auch der alte Buschwächter hatte nichts dagegen, Pēteris sein Haus zu übergeben und ihn zum Schwiegersohn zu haben.

Aber kaum hatten sich Pēteris und Ģedrūte verlobt, da erschien auf dem Buschwächterhof der hinkende Schneider, der als Zauberer bekannt war, und verhexte die Büchse des Pēteris so, dass er nicht mehr einmal einen angebundenen Hasen schießen konnte. Der Schneider hatte eine Schnupftabakdose aus Birkenrinde und er prahlte, Pēteris werde sie nicht treffen können, wenn er sie in die Luft werfen werde.

Pēteris lachte über einen solchen Unsinn, denn er schoss nie da neben, und hieß nun den Schneider, die Dose in die Luft zu werfen. Er schoss nach ihr — er traf sie nicht. Und von da ab war es wie verhext: egal, wonach er schoss, er traf nichts mehr. Der Ärmste machte die Büchse mehrmals sauber, er grub eine Schlange, steif vom Winterschlaf, aus der Erde und schloss die Schlange, in die Luft, um die Büchse zu entzaubern, aber das war alles vergeblich. Um die Zeit kam der Herr von seiner Deutschlandreise zurück und veranstaltete eine Wolfsjagd. Da der Herr Pēteris als den besten Jäger und zielsichersten Schützen kannte, stellte er ihn bei der Jagd gleich neben sich. Da sprang ein großer Wolf geradeswegs auf den Herrn zu. Der Herr traf den Wolf beim ersten Schuss, aber da der Schuss aus dem zweiten Lauf sich nicht löste, musste Pēteris schießen. Der verwunderte Wolf kroch etwa 15 Schritt entfernt an Pēteris vorbei und Pēteris schoss auf ihn, aber — wie es jetzt für ihn üblich war — traf er auch diesmal nicht. Darüber wurde der Herr so böse auf Pēteris, dass er ihm auf der Stelle verkündete: das Haus des alten Buschwächters könne er nun nicht mehr bekommen. Das war ein schwerer Schlag für Pēteris, besonders Ģedrūtes wegen hatte er großes Herzeleid. Da wollte ihm ein Mann namens Pupavs helfen. Er sagte:

"Pēteris, ich will die Zauberei des hinkenden Schneiders brechen wenn du mir gehorchen und alles tun willst, was ich dir sagen werde. Geh am nächsten Sonntag zum Abendmahl. Iss aber die empfangene Hostie nicht auf, sondern schiebe sie mit der Zunge in die Wange. Dann versuche so schnell wie möglich die Kirche zu verlassen, nimm die Hostie aus dem Mund, wickele sie ins Papier und zerschieße sie eine halbe Stunde vor Mitternacht am Blauen Berg. Wenn du willst, kannst du auch — sobald du am Blauen Berg angekommen bist, dich am Rande der Schlucht auf den dort liegenden morschen Baumstamm hinsetzen, der an Ort und Stelle verfaulen soll, weil er vor Jahren ein Pferd erschlagen hat. Dort kannst du auf mich warten. Nur sollst du nicht in der Nähe des morschen Stammes "sci, sci!" sagen, denn dann bekommst du etwas zu sehen, was alles verderben kann. Viele Leute, wenn sie zur Nachtzeit an der Stelle vorbeigehen, haben "sci, sci" gesagt, dann müssen sie auch etwas erleben, aber du darfst es auf keine Fall tun. "Gut, Pēteris tat alles so, wie man ihm geraten hatte, und wartete bereits in der nächsten Sonntagnacht an der bestimmten Stelle auf Pupavs. Pupavs kam, steckte die Hostie an den Stamm einer Eiche und sprach: "Schieß nun, Pēteris, schieß nun! Schieß du, so wird der Zauber fallen: du wirst jeden Vogel, ganz gleich, ob er fliegt oder schwimmt ob er kreucht wieder erschießen können."

Pēteris erhob die Büchse, aber dann wurde er doch noch nachdenklich und sagte, das sei doch eine große Sünde. Pupavs schalt ihn aus und forderte ihn auf, gleich zu schießen. Peter legte das Gewehr an und wollte gleich abdrücken, da — was war denn das nun wieder — ließ er das Gewehr wieder sinken.

"Warum schießt du nicht, was treibst du für Possen?," rief Pupavs ihm zu, aber Pēteris, der ganz blass geworden war, antwortete: "Hast du denn nicht gesehen, wer da war? Sobald ich abdrücken wollte, hat sich ein weißer Mann vor die Hostie gestellt. Ich werde doch nicht auf einen Menschen schießen!"

"Ach, was erzählst du da für Unsinn? Siehst du den Mann denn noch?"

"Nein, jetzt sehe ich ihn nicht mehr. Sobald ich die Büchse sinken ließ, ist er verschwunden. Ich will es noch einmal versuchen, dann werde ich ja sehen, wie es kommt."

Wieder hob Pēteris seine Büchse, ließ sie aber auch gleich wieder sinken: der Mensch sei noch immer da. Da sagte Pupavs: "Ja, auch ich habe diesmal etwas wie einen weißen Schatten gesehen. Ich glaube, dich wird gar nicht der hinkende Schuster verhext haben, sondern ein anderer Mann, der jetzt verstorben ist und deshalb noch als Spuk herumziehen muss. Dieser Spuk stellt sich absichtlich vor die Hostie. Ich an deiner Stelle würde einen solchen Zauberer — selbst wenn er noch lebendig und nicht tot wäre wie dieser — wie einen Hund erschießen. Aber du bist ja ein solcher Angsthase: du brauchst bloß den Schatten deines Feindes zu sehen, dann zitterst du schon. Nimm dich zusammen, Feigling, räche dich an ihm! Schieß auf den Spuk, dann wird er sich wie Nebel auflösen!"

Da riss sich Pēteris wahrhaftig zusammen und hob die Büchse zum dritten Mal, um den Hahn abzudrücken, aber da sah er ganz deutlich, dass der weiße Mann ihn aus schmerzerfüllten Augen flehentlich, so flehentlich ansah. Er hatte die Arme erhoben und ausgebreitet und ähnelte einer Gestalt am Kreuz. Da schämte sich Pēteris nicht länger. Er warf die Büchse hin und ergriff die Flucht. Aber Pupavs lief ihm nach so schnell er nur konnte. Er packte Pēteris am Kragen und schleifte ihn zurück. Aber in demselben Augenblick war auch der weiße Mann herbeigeeilt. Er packte Pupavs bei den Haaren und warf ihn mit Leichtigkeit über die Wipfel der Bäume — wer weiß, wohin. Nur gelber Rauch mit Schwefelgeruch zog noch hinter ihm her. Seit der Zeit hatte niemand mehr Pupavs gesehen. Aber der Erlöser hatte Pēteris aus den Klauen des Teufels errettet.

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