Die Teufel vertauschen Kinder

From Pasakas un teikas
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Ein Elternpaar fuhr einmal auf Besuch und ließ ein noch ungetauftes Kindchen in der Obhut der Großmutter in der Wiege. Aber die Großmutter überkam der Schlaf, und während sie ein Nickerchen zu machen gedachte, schlich sich ein Teufel leise ein, raubte das Kind aus der Wiege und ließ sei eigenes an dessen Stelle. Die Eltern kehrten heim — wer will so kleine Kinder unterscheiden, man ahnte nichts Schlimmes und so zogen sie den Wechselbalg auf.

Es vergingen zwölf Jahre, aber das Teufelskind lag nach wie vor in der Wiege. Die Eltern dachten, der arme Wurm sei krank, ein Krüppel, was war dabei zu machen, man musste eben die Last auf sich nehmen.

Da begab es sich wieder einmal, dass die Eltern für einen ganzen Tag und eine ganze Nacht fortfahren mussten. Die Großmutter blieb indessen bei dem Büblein und schaukelte es. Da am Abend — dass dich dieser und jener! — setzte sich das Bübchen aufrecht hin und sagte: "Alte, Großmutter, schaff mir eine Braut, ich will heiraten!" — "Ich will dir was, du Aas! In der Wiege dich verheiraten! Noch ist er nicht trocken hinter den Ohren, hockt noch in der Wiege, und da höre einer, was solch ein Grünschnabel für ungewaschenes Zeug daherschwatzt! Lieg still und schlaf, oder ich gerbe dir das Fell, dass dir Hören und Sehen vergeht!" — "Schon gut, Großmutter, prügle mich soviel du willst, aber du wirst schon sehen, was sich heute Nacht begeben wird."

Der Großmutter lief, als sie das hörte, ein kalter Schauder durchs Gebein. Sie dachte: "Man erlebt mancherlei; wer weiß, was noch geschieht! Ich will einen guten Mörser besorgen, ihn neben die Wiege stellen und mich selbst auf den Ofen verziehen." Gedacht, getan. Und siehe da, um Mitternacht füllt sich die Stube mit Teufeln. Ein neunköpfiger Teufel ergreift den Mörser, zernagt ihn in tausend Splitter und Fetzen und ruft verwundert: "Ei zum Henken, der erste war zähe!" Jetzt hör aber der Spaß vollends auf: auch Teufelsweiber und Töchter kommen überall zum Vorschein. Schon ist die Stube voll, überall ein tolles Gewimmel, und sie kehren alles Hausgerät um und um. Ja, und was das Schönste ist: der Bengel ist aus der Wiege heraus und dreht sich mit den Teufels Mädels in wildem Wirbeltanz, dass es nur so staubt. Die Großmutter hockt auf dem warmen Ofen wie angefroren und ist selbst mehr tot als lebendig.

Da, zum Glück, schlägt ein Hahn mit den Flügeln und lässt sein Kikeriki erschallen. Das ist für sie als ob Feuer in den Werg fährt: wie Spreu stieben sie auseinander und hinaus; der Junge aber springt wieder in seine Wiege und liegt mäuschenstill, ohne ein Glied zu rühren.

Am folgenden Tage kehrten die Eltern heim, und nun legt die Alte mit Erzählen los, haarklein berichtet sie alles von dem Buben und den Teufeln. Die Mutter ringt die Hände, aber der Vater weiß, was er zu tun hat. Er schichtet auf dem Felde einen gehörigen Stapel Reisig auf, zündet ihn an und führt den Jungen hin, um ihn zu verbrennen. Kaum ist er aber bei der Feuerstätte, da stürzt aus dem Walde die Teufelsmutter herbei, einen Jungen an der Hand, und schreit aus voller Kehle: "Wirf nicht meinen Jungen ins Feuer, hier hast du den deinen! Gib mir mein Kind zurück, ich gebe dir das deine wieder!"

Der Mann nahm von der Teufelsmutter seinen Jungen, führte ihn zur Taufe, und von der Zeit an war alles in Ordnung.

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