Die Teufel plagen die Menschen

From Pasakas un teikas
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Auf einem Bauernhof stand eine hohe alte Linde. Sie war schon so alt, dass der Bauer Angst hatte, sie könnte beim Sturm abbrechen und auf das Wohnhaus fallen, deshalb befahl er den Knechten die Linde zu fällen. Sie fällten sie — und das noch an demselben Tag, denn das Fällen eines morschen Baumes ist ja nicht schwer. Aber als die Knechte nach getaner Arbeit gerade beim Abendbrot saßen — ist das nicht sonderbar! — rief eine Stimme aus einer Ecke des Zimmers: "Ihr nichtsnutzigen Knechte, warum habt ihr meine Wohnung zerstört!"

Die Knechte sprangen vom Tisch auf und liefen in die Ecke, um zu sehen, wer da gesprochen hatte, aber sie fanden niemand. Sie hörten nur noch, dass jemand — tschaps, tschaps — so wie zur Tür hinauslief, aber zu sehen bekamen sie nicht einmal einen Schatten. Das war nun so am Abend. Als die Knechte am nächsten Abend wieder am Tisch saßen, hörten sie wieder dieselbe Stimme, die rief: "Ihr nichtsnutzigen Knechte, warum habt ihr mir meine Wohnung zerstört?" Jetzt wurden die Knechte wütend. Sie ergriffen einen Ebereschenstock und schlugen damit in alle Ecken, um den Spuk mit Schmach zu vertreiben. Ob sie ihn nun wirklich vertrieben hatten oder ob der Spuk von allein das Weite gesucht hatte, das kann man nicht wissen; aber bald bemerkten sie, dass der Spuk sich jetzt im Stall niedergelassen hatte. Er hatte alle Kühe losgelassen und sie mitten in der Nacht auf den Hof getrieben, mochten sie biesen! Die Mägde erschraken sehr. Sie kamen mit Windlaternen herbeigelaufen, trieben die Kühe in den Stall zurück und banden sie wieder an. Vielmehr — sie wollten sie wieder anbinden, vermochten es jedoch nicht: jemand blies immer wieder die Windlaterne aus. Als sie hinausliefen, um die Windlaternen wieder anzuzünden, gab es etwas Neues: jemand warf ihnen von oben große Stöße von Stroh auf den Kopf. Was nun? Man merkte gut, dass das das Werk des Teufels war. Der Bauer begab sich zum Gutshof, um klügere Leute um ihren Rat zu fragen.

Es kam auch dem Herrn zu Ohren. In seinem Hochmut wollte er nicht glauben an das, was der Bauer erzählt hatte. Er schickte seinen Vogt los, der die Sache prüfen sollte. Der Vogt ging in den Stall des Bauern — sah sich um, wartete eine weile — nichts regte sich. Nun begab er sich in die Stube, um sich schlafen zu legen. Er lag vor dem Ofen und wärmte sich. Auf einmal — was mit dem Ofen plötzlich geschah, was nicht — er spie alle glühenden Kohlen über den Vogt aus. Der Vogt konnte nur noch ausrufen: "So soll der Teufel alle Teufel holen!" und eilte zum Gut zurück. Der Bauer holte Besprecher und Zauberer herbei, die den Teufel austreiben sollten, aber vergeblich. Einem gelang es ihn aus der Stube zu verjagen. Von da ab trieb er sein Unwesen in der Korndarre.

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