Die Teufel plagen die Menschen

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search

Es lebte einmal ein altes Ehepaar. Sie hatten eine Tochter. Sie waren nicht reich, aber sie waren auch nicht arm. Als das Mädchen heranwuchs, sagte der Alte zu seiner Frau: "Warum lehrst du das Mädchen keine Frauenarbeit? Was wird sie machen, wenn sie heiratet und weder spinnen noch weben kann?" Darauf antwortete die Frau: "Sie ist noch ein so junges Mädchen! Werden wir denn an Samstagabenden allein nicht Zeit genug haben, ihr die Frauenarbeit beizubringen?"

Als die Mutter begann, dem Mädchen das Weben beizubringen, fand es einen großen Gefallen an dieser Tätigkeit. Während alle anderen Leute gleich nach dem Dunkelwerden schlafen gingen, saß es noch nach Mitternacht am Webstuhl. Einmal begann die Mutter es zu schelten: "Was soll das Tochter, dass du abends so lange

aufbleibst! Andere Leute sind schon längst schlafen gegangen, da sitzest du noch und webst und webst bis zur Mitternacht. An anderen Abenden mag es ja noch gehen, aber am Sonnabendabend schickt es sich gewiss nicht, bis Mitternacht zu arbeiten Gott kann dich dafür bestrafen. Außerdem sagen die Leute, dass den Menschen der Teufel zu Hilfe kommt, die an Sonnabendabenden so lange aufbleiben."

Die Mutter schalt die Tochter aus, aber dabei blieb es, denn die Tochter beachtete ihre Worte nicht.

Als das Mädchen an einem Samstagabend wieder an ihrem Webstuhl saß, näherte sich die Mitternachtsstunde. Auf einmal betrat ein Bursche die Stube und sagte: "Gott helfe dir!" "Danke," antwortete sie. Da fragte der Bursche: "Wie geht es denn mit dem Weben?" Das Mädchen antwortete: "Man kann nicht klagen, bis jetzt ging es recht gut, aber nun muss ich schlafen gehen. Ich webe und webe die ganze Zeit, jetzt tun mir schon die Arme weh."

Da sagte der Bursche: "Erhole dich ein wenig. Ich will an deiner Stelle weben, das wird für mich auch kurzweiliger sein!"

Da sagte das Mädchen: "Warum sollst du an meiner Leinwand weben? Das werde ich schon noch allein schaffen!" Aber der Bursche hörte gar nicht auf sie, er setzte sich in den Webstuhl und begann zu weben. Auf einmal riss ein Trittbrett ab. Der Bursche hieß das Mädchen, unter das Gestell zu kriechen und das Trittbett anzubinden. Das Mädchen gehorchte. Aber dabei merkte es, dass der Bursche Pferdefüße hatte. Es erschrak sehr und bemerkte nun auch, dass der Bursche einen Schwanz hatte. Da begriff sie sogleich, dass es niemand anders sein konnte als der Teufel selbst. Als der Teufel wieder zu weben begann, riss das Trittbrett abermals ab. Da wollte er wieder, das Mädchen sollte es anbinden. Aber das Mädchen sagte: "Ich bin schon ganz müde und hungrig, und nun muss ich auch schlafen gehen."

Da sprang der Teufel gleich auf die Beine und rief: "Ich werde dir gleich etwas zu essen bringen!" Sobald der Teufel das Haus verlassen hatte, um das Essen zu besorgen, verschloss das Mädchen schnell die Tür mit einer Leinenschnur. Dann lief sie zu ihrem Vater, aber er schlief so fest, dass sie ihn gar nicht aufwecken konnte. Nun eilte sie zu ihrer Mutter, aber es gelang ihr nicht, die Mutter zu wecken.

Dann lief sie wieder zu ihrem Vater, stieg in sein Bett und versteckte sich unter der Decke. Da hörte sie wie die Erde dröhnte: der Teufel kam zurückgelaufen. Er kam an die Tür gerannt und wollte herein, konnte jedoch nicht, weil sie zugebunden war. Bald krähten die Hähne. Da hörte das Mädchen, dass etwas dumpf auf die Erde vor der Tür aufschlug und dass der Teufel davonrannte. Dann weckte das Mädchen Vater und Mutter und erzählte, was sie erlebt hatte. Die Mutter sagte:

"Sieh, Tochter, ich hatte dir schon gesagt, dass man am Samstagabend nicht lange aufbleiben darf. Er hätte dich erwürgt, wenn die Hähne nicht gekräht hätten. Und deine Seele hätte er geraubt."

Als sie am nächsten Morgen hinausgingen, fanden sie vor der Tür einen Leichnam liegen. Den hatte der Teufel dem Mädchen zum Essen gebracht. Seit der Zeit hat das Mädchen nie mehr an Samstagabenden gewebt.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox