Die Teufel töten Menschen

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search

In alten Zeiten herrschte auf dem Stende-Gutshof ein sehr böser Herr, der seine Leute peinigte und quälte und sie für die geringsten Vergehen schlagen ließ. An einem finsteren Herbstabend ließ der Herr seinen Boten holen, übergab ihm ein Schriftstück und befahl ihm, es sogleich nach Tukums zu bringen (Tukums befindet sich 7 Meilen oder 49 Werst von Stende entfernt), wobei er ihn ermahnte, dass er noch in derselben Nacht mit der Antwort zurückkehren müsse. Da bat der Bote — da es ihm nicht möglich sei, eine solche Strecke in so kurzer Zeit zu Fuß zurückzulegen, den Herrn um ein Pferd. Wie aus großer Gnade gab der Herr ihm schließlich einen alten, schwachen, abgetriebenen Schimmel — den könne er vor den Wagen spannen und losfahren. Aber das alte Pferdchen vermochte keinen Wagen mehr zu ziehen, der Bote musste reiten. Gut, er machte sich auf den Weg. Er ritt und ritt, aber bald war das Pferdchen schon so müde, dass es nur noch so langsam wie ein Krebs vorwärts kroch. Bald ritt er an einen Friedhof vorbei. An der Friedhofspforte erblickte der Bote einen schwarzen Hengst. Der Hengst fragte ihn: "Bursche, wohin so spät in der Nacht?" So und so — er müsse nach Tukums. "Das ist gut!," rief der Hengst freudig aus, "setz dich auf meinen Rücken, ich werde dich nach Tukums tragen und auch wieder zurückbringen."

Der Bote band seinen lahmen Schimmel an den Friedhofszaun, sprang auf den Rücken des Hengstes und ermunterte ihn zu laufen. Aber wo hat er nur seinen Verstand gehabt, das hätte er lieber lassen sollen: der Hengst legte wie der tollste Wirbelwind los und galoppierte so schnell bis er sich in die Luft erhob. Nun flog er über alle Wälder und schwoll so dick an, dass er den Reiter fast mitten durchriss. Es dauerte nur einige Augenblicke — da waren sie bereits in Tukums: er solle absteigen und seinen Auftrag erledigen; sobald er fertig sei, solle er hierher — zu derselben Stelle — zurückkehren, er werde auf ihn bereits warten. Auch er habe in Tukums etwas zu erledigen — nämlich einen Ochsen zu schlachten. Nachdem er das gesagt hatte, war der Hengst verschwunden. Der Bote machte sich auf den Weg, seinen Auftrag zu erledigen. Der Hengst aber — es war der Teufel selbst — eilte zu einer Herberge, in der einige Städter Karten um Geld spielten. Unsichtbar mischte sich der Teufel unter sie und hetzte den Einen gegen den Anderen auf. Er hetzte so lange, bis sie sich zu raufen begannen und dabei einen ihrer Kameraden erschlugen: ein Schlag gegen die Schläfe — fertig war er. Der Teufel hatte sein Geschäft erledigt: er hatte seinen Ochsen geschlachtet und eilte nun zu der verabredeten Stelle zurück. Als er ankam, fand sich auch der Bote gerade ein. Er fragte den Boten: "Bist du fertig?" Ja, er sei auch mit allem fertig!

"Ich auch! Es ist mir gelungen, einen prächtigen Ochsen zu erwischen. Aber nun steige auf meinen Rücken, es ist Zeit, dass wir zurückreiten." Er sprang auf den Rücken des Hengstes und nun ging es wieder in Windeseile und hoch über die Wipfel der Bäume heimwärts. Der Bote hatte sich noch nicht gut umsehen können, als der Hengst sich schon wieder an der Stelle befand, wo er seinen lahmen Schimmel angebunden hatte. Der Hengst verschwand. Der Bote band sein Pferdchen los und trabte langsam nach Hause. Als er in Stende ankam, war noch finstere Nacht — niemand hatte ihn so früh zurückerwartet.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox