Die Teufel töten Menschen

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Auf dem Gute Blīdene lebte zu der Zeit der Leibeigenschaft eine sehr harte Gutsfrau. Einen Mann hatte sie nicht mehr, denn er war kurz nach der Hochzeit gestorben. Sie hielt einen bösen Vogt. Eines Tages gab die Großfrau dem Vogte die Weisung, das große Kornfeld des Gutshofes an einem Tag mähen zu lassen. Sollte die Arbeit an einem Tag nicht erledigt werden dann wolle sie den Vogt erwürgen. Den ganzen Tag mussten die Fronarbeiter im Schweiße ihres Angesichts mähen, denn der Vogt kannte kein Erbarmen und schlug jeden, der ein wenig zu verschnaufen versuchte. Er ließ sie nicht einmal zu Mittagessen. Erst am Abend erlaubte er ihnen, etwas auszuruhen und ihr Abendbrot zu verzehren.

Das vorher eingefahrene Getreide wurde in der Darre aufgestockt. Der Darrofenheizer bekam die Weisung, die Korndarre tüchtig zu heizen. Schon vor Mitternacht trieb der Vogt die Leute zum Dreschen: sie mussten die ganze Nacht bis zum Morgen dreschen. Die Gutsherrin prüfte das leer gedroschene Stroh, ob vielleicht doch ein Ährchen noch einige Körnchen enthielt. Der Vogt, den das Antreiben der Leute ermüdet hatte, unterhielt sich mit dem Darrofenheizer. Der Heizer fragte den Vogt, warum er denn gar so hart zu den Fronarbeitern sei. Da entgegnete der Vogt betrübt, die Großfrau halte gedroht, ihn zu erwürgen, wenn sie mit den Arbeiten auf ihrem Gut nicht eher fertig würden als die Nachbarn auf deren Gütern. Nach dem Dreschen musste der Vogt zu der Großfrau gehen, um weitere Anweisungen entgegenzunehmen. Als der Vogt vor der Tür der Großfrau stand, hörte er, dass sie von jemand Geld verlangte. Sie bekam zur Antwort, dass es das letzte Geld sei, das sie bekomme; dann müsse sie sich auf ihr Ende vorbereiten. Der Vogt fürchtete sich und ging nicht hinein, sondern guckte durch Schlüsselloch. Da sah er, dass die Großfrau mit einem Herrn sprach, der in einem schwarzen Mantel gehüllt war und einen Pferdefuß und einen Hahnenfuß hatte. Der Vogt bekreuzigte sich in seiner Angst und eilte zum Darrofenheizer, um ihm zu erzählen, was er gesehen hatte. Der Darrofenheizer sagte, der Teufel werde nach ein paar Wochen zum letzten Mal kommen und die Großfrau mitnehmen. Sie aber würden bessere Herren bekommen. Plötzlich kam die Großfrau wie wild herausgerannt und schrie nach dem Vogt. In der Hand hatte sie einen Stock. Zorn sprühend fragte sie, warum der Vogt nicht gekommen sei, ihre Befehle zu empfangen. Der Vogt versuchte sich zu rechtfertigen und sagte, er habe sie nicht bei ihrem Gespräch mit dem fremden Herrn stören wollen. Da schlug die Großfrau in ihrer Wut so lange auf den Vogt los, bis er bewusstlos am Boden lag. Der Vogt war nach dem furchtbaren Prügel lange Zeit krank. An seiner Stelle führte jetzt die Großfrau selbst die Aufsicht über die Arbeiter und schlug und prügelte sie ohne Erbarmen. Einen Fronarbeiter verprügelte sie so, dass er in der Korndarre liegen blieb. Sie trug dem Darrofenheizer auf, den Verprügelten heimzuschaffen. Nach einigen Wochen war der Vogt genesen. Er begab sich wieder zu der Großfrau, ihre Befehle zu erfragen. Sie gab ihm Anweisungen über das Tagewerk und befahl ihm, um Mitternacht in ihr Räume zu erscheinen. Um Mitternacht sah der Vogt, dass die Zimmerfenster der Großfrau hell erleuchtet waren. Als er das Gutshaus betrat, hörte er plötzlich aus ihrem Zimmer schrecklichen Lärm und Gebrüll. Der Vogt wollte zu ihr eilen, aber ein großer roter Drache verwehrte ihm den Eintritt, indem er Feuer nach ihm spie. Der Vogt schlug in seiner Angst ein Kreuz, und im nächsten Augenblick erdröhnte ein Donnerschlag. Dann wurde es in dem Zimmer der Großfrau still. Der Vogt ging leise hinein und fand in dem Raum in wildes Durcheinander. Am Bett brannten ruhig die Kerzen, aber die Großfrau befand sich nicht in ihrem Bett. An ihrem Bett auf dem Fußboden bemerkte der Vogt drei Blutstropfen. Erschrocken eilte er zu dem Darrofenheizer. Der Darrofenheizer sagte, der Teufel habe die Großfrau geholt.

Das Gut erbten bessere Herren. Sie behandelten die Leibeignen und den Vogt gut. Der Vogt wurde nicht mehr genötigt, die Fronarbeiter mit dem Stock anzutreiben. Mit der Zeit lernten die Leute ihn zu schätzen. Die Fenster der Großfrau aber waren jede Nacht um Mitternacht hell erleuchtet. Man hörte dann einen furchtbaren Lärm und schreckliches Gebrüll noch viele Jahre nach ihrem Verschwinden. Aber langsam wurde alles wieder ruhig.

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