Die Teufel fressen Menschen

From Pasakas un teikas
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In einem Land hatte man einen sonderbaren Brauch: bei der Trauung schüttete man der Frau den Schuh und dem Manne den Stiefel voll mit Sand. Aus wessen Schuhwerk der Sand zuerst versickerte, der musste sterben, ob er es nun wollte oder nicht.

Einmal verheiratete sich dort ein Schneider. Sein Stiefel wurde schneller leer als der Schuh seiner Frau. Nichts zumachen: die Leute legten ihn in den Sarg, klappten den Deckel zu, brachten ihn zum Friedhof und stellten ihn dort auf die Erde, ohne ihn zu begraben. Zum Glück hatte der Schneider seine Schere mitgenommen. Als der Sarg auf dem Friedhof stand, da kam ein roter Stier — es war der Teufel — um seine Seele zu holen. Er strich mit seiner Zunge an dem Sargdeckel entlang. Da stieß der Schneider seine Schere durch die Ritze im Sargdeckel und schnitt dem Stier die Zunge ab. Brüllend lief der Stier davon. Der Schneider befreite sich aus dem Sarg und kehrte zu seiner Frau zurück. Aber sie beachtete ihn gar nicht und auch die anderen Leute beachteten ihn nicht. Er war hungrig und nahm sich etwas. Die anderen kümmerten sich nicht darum und beachteten ihn nicht beim Essen.

Da beschloss er schließlich, sie lieber zu verlassen und ein christliches Land zu suchen. Er ging und ging. Schließlich begegnete er einer Bäuerin, die Brot aus dem Backofen zog. Er ging heran, nahm sich ein Brot und begann zu essen. Da wunderte sich die Bäuerin und sprach: "Von einem solchen Gast hat man noch nie gehört, einen solchen hat man noch nie gesehen: nimmt sich selbst das Essen, ohne zu bitten." Da sah er sich um und merkte, er war in einem anderen Lande. "Hier ist ein anderes Land, hier muss man ums Essen bitten. Dies ist ein Christliches Land," dachte er.

Er begann dort zu leben und ich glaube, dass er noch heute am Leben ist.

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