Die Teufel fressen Menschen

From Pasakas un teikas
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In einem Häuschen war ein neunzehnjähriges Mädchen ziemlich spät am Abend noch beim Weben. Sie wollte noch an diesem Abend die Leinwand fertigweben. Die anderen Hausbewohner waren zum Nachbarhof gegangen, um beim Einsargen eines Verstorbenen zu helfen. Nur der Bruder der Weberin, müde nach der Tagesarbeit, hatte sich schon ins Bett gelegt und war eingeschlafen. Während sie noch fleißig webte, kam eine alte Frau herein, die ihrer verstorbenen Patin ähnlich sah, aber als sie sie näher anschaut — bemerkte sie, dass die alte Frau behaarte Beine hatte. Sie wollte schon fragen, wer sie sei, aber die Alte kam ihr zuvor und sagte: "Ich sehe, Töchterchen, dass du sehr viel zu tun hast, weil du gar keine Zeit hast, Feierabend zu machen. Ich will dir gern helfen: ich werde weben, du sollst nur spulen und mir die vollen Spulen zureichen." Die Alte setzte sich sogleich in den Webstuhl und begann so schnell zu weben, dass das Mädchen mit dem Spulen gar nicht nachkommen konnte. Als die Leinwand fertig war, verlangte die Alte Abendbrot. Das Mädchen antwortete, dass sie nichts anzubieten habe. Aber die Alte verlangte mit Nachdruck zu essen und sagte schließlich verärgert: "Nun, wenn du gar nichts hast, dann werde ich selbst etwas besorgen!" Wütend rannte sie zur Tür hinaus. Da lief das Mädchen ans Bett des eingeschlafenen Bruders und begann ihn zu schütteln, um ihn aufzuwecken, aber vergeblich: er lag wie ein Toter da. "Was nun?" dachte das Mädchen, "jetzt bin ich in der Klemme!" Aber bald hatte sie einen guten Einfall: sie nahm Kreide und zog Kreuze vor alle Türen und Fenster. Dann wartete sie darauf was geschehen wird.

Nicht lange, da war die Alte wieder an der Tür, polterte und schrie, man solle sie hereinlassen, sie habe das Abendbrot gebracht. Aber das Mädchen wischte die Kreuze, nicht aus und lies sie nicht herein, mochte sie poltern soviel sie wollte. Nachdem sie lange gelärmt und gepoltert hatte, warf die Alte schließlich den Leichnam mit dem Sarg, den sie auf dem Nachbarhof gestohlen hatte, in die Küche — das war nun das versprochene Abendessen. Dann lief sie selbst davon und ließ den Toten zurück. Als nun alles wieder ruhig war, eilte das Mädchen zum Nachbarhof und erzählte dort alles, was geschehen war: dass man einen eingesargten Leichnam in ihre Küche geworfen hatte, dass sie ihren Bruder nicht habe wecken können — alles. Zuerst wollten die Leute ihr nicht glauben und dachten, das Mädchen erzählte Unsinn, als sie jedoch in das Vorratshaus gingen, so sahen, dass der Tote tatsächlich verschwunden war. Nun begaben sie sich zum Haus des Mädchens und fanden den Leichnam in der Küche — genau wie das Mädchen es erzählt hatte. Nun weckten sie auch den Bruder, der sogleich ganz leicht aufwachte.

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