Die Seele verlässt den Menschen in der Gestalt eines kleinen Tieres

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search

Nicht weit von Vecmuiža befindet sich das Rešiņš-Gut. In dem Zeiten der Fronarbeit war da ein gresprächiger Vogt deutscher Herkunft. Der Gutsbesitzer selbst war ein strenger und harter Mann, wie alle Herren in jener Zeit; der Vogt hingegen war gutmütig, milde und freundlich. Der ging mit den Arbeitern sehr gütig um, und das missfiel dem Herrn. Er hätte ihn schon längst fortgejagt, aber der Vogt verstand auch mit ihm sehr geschickt umzugehen. Er wusste ihm alles Mögliche zu erzählen, immer wieder etwas Neues. Dem Gutsherrn dünkte das merkwürdig, er nahm sich vor nachzuforschen, woher der Vogt seine Geschichten habe. Einige Tage danach folgte er dem Vogt überall hin, konnte aber nichts beobachten, da der Vogt ganz einfach lebte. Morgens stand er auf, verrichtete einige Tagesgeschäfte und ging, nach den Arbeitern zu sehen und um die Mittagszeit ging er, um in seinem kleinen Blumengarten ein Schläfchen zu halten. Und um ebendiese Zeit schlüpfte aus dem Munde des rücklings ausgestreckten Vogtes eine Maus und lief durch den Garten davon. Der Gutsbesitzer wollte seinen Augen nicht trauen, deshalb eilte er zum Vogt und versuchte ihn zu wecken, aber oh Wunder! der Vogt war ohne Leben. Der Herr ließ also den Toten liegen und eilte dessen Frau zu wecken, die auf dem Speicher schlief. Als die Frau hingelaufen kam, da erwachte der Vogt gerade. Die Frau wunderte sich zwar über den Herrn und der Herr über den Vogt, aber keiner äußerte ein Wort. Der Vogt ging in den nächsten Tagen nicht mehr in den Garten schlafen, sondern ruhte in der Stube. Nach kurzer Zeit aber bemerkte der Herr, dass der Vogt wieder in den Garten schlafen ging. Er begab sich eilends zum dem Schläfer: auch diesmal lief eine Maus aus seinem Munde. Jetzt ging er aber nicht wieder, die Frau zu wecken, sondern kehrte den Vogt auf den Mund und wartete, was sich weiter begeben würde. Nach einer kurzen Weile kehrte die Maus zurück und blieb beim Vogt stehen, dann umkreiste sie ihn einige Mal und lief zuletzt davon. Nach einem Weilchen kehrte sie nochmals zurück, aber, da sie ihn auf dem Munde liegend fand, lief sie davon und kam nicht wieder zurück. Den Vogt trug man als Leiche aus dem Garten. Am folgenden Tage soll man die Maus noch einmal im Garten gesehen haben, aber nach dem Begräbnis des Vogtes verschwand sie für einige Zeit; später zeigte sie sich noch einmal und zwar dem Gutsherrn, bis sie zuletzt für immer, verschwand.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox