Die Seele verlässt den Menschen in der Gestalt eines kleinen Tieres

From Pasakas un teikas
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Bei einem Bauer lebten eine Mutter und eine Tochter. Die Mutter war eine Hexe, aber die Tochter wusste nichts von ihrer heimlichen Beschäftigung. Mitunter gebärdete die Mutter sich etwas sonderbar. Sie legte sich ins Bett und bat den Teufel, ihre Seele in ein Vögelchen zu verwandeln. Dann flog aus dem Munde der Mutter ein kleines Vögelchen hervor und flog davon. Die Mutter stand nicht eher vom Bett auf als bis das Vögelchen wieder zurückgeflogen und zu ihr ins Bett geflattert war. Bald darauf stand sie auf.

An einem Winterabend begab sich die Mutter frühzeitig zur Ruhe, während die Tochter noch spinnen wollte. In der Nacht klopfte ein kleines Vögelchen ans Fenster, aber die Tochter ließ es nicht herein, denn sie wusste nicht, dass das Vögelchen die Seele der Mutter war.

Als die Tochter am nächsten Morgen aufgestanden war und ihre Mutter wecken wollte, wachte diese nicht mehr auf. Da begann die Tochter zu jammern, dass ihre Mutter gestorben sei, aber der Bauer kannte die Schliche der Mutter. Er besorgte aufs schnellste einen Sarg, legte die Mutter in den Sarg und schaffte sie in den Speicher. Er erlaubte der Tochter nicht, den Sargdeckel abzuheben. Auf dem Sargdeckel hockte ein kleines Vögelchen.

An dem Tag der Beerdigung wurde die Mutter zum Friedhof gebracht. Aber in der Leichenkammer wollte die Tochter ihre Mutter noch ein letztes Mal sehen, deshalb wurde der Sargdeckel abgehoben, obwohl der Bauer es nicht wollte. Auf einmal kam ein kleines Vögelchen hereingeflogen und verschwand in der Nähe des Leichnams. Da stand die Mutter auf und sagte: "Ihr wolltet mich ja lebendig begraben!"

Niemand sagte etwas darauf. Von da ab wollte die Mutter mit dem Teufel nichts mehr zu tun haben und lebte ehrlich bis zu ihrem Tode.

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