Die Manen (Veļi) auf dem Friedhof

From Pasakas un teikas
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In der Gegend von Žeime starb die Patentochter einer Bäuerin, die eine Waise war und bei ihr gelebt hatte. Eines Tages, als die Bäuerin schon genug um ihre gute Patentochter geweint hatte, kam das Mädchen zu ihr, gekleidet in demselben weißen Kleide, in dem man sie bestattet hatte. Sie sah ganz wie lebendig aus und hatte sogar rosige Wangen. So kam sie nun oder —besser gesagt —fiel geradezu wie vom Himmel und stand auf einmal vor ihrer Patin, wobei sie sie bat, ihr ein Sieb zu leihen. "Wozu brauchst du denn ein Sieb, Töchterchen," wunderte sich die Bäuerin," seit langer Zeit liegst du schon im Schoß der Erde?" Aber die Patentochter bat sie: "Gib nur Mütterchen, morgen haben wir ein großes Fest, da will ich Mehl für die Piroggen sieben." Die Bäuerin gab ihr das Sieb, und ihr Gast verschwand. Am nächsten Tag brachte das Mädchen das Sieb zurück und gab ihrer Patin ein Gebäck aus Sand, indem sie sie bat, ihre Pirogge zu kosten. Auch am Sieb war es zu sehen, dass damit Sand gesiebt worden war. Die Bäuerin nahm die Pirogge entgegen, begann das Mädchen aber auszufragen, was denn das heute für ein Fest sei. Das Mädchen hat ihr auch nichts verheimlicht. "Du weißt, dass es heute auf dem Nachbarhof eine Beerdigung gibt." "Das weiß ich!" "Nun gut! Der Tote wird auf unserem Friedhof bestattet. Aber du wirst gewiss auch wissen, dass die Manen folgenden Brauch haben: jeden neuen Kameraden, der auf ihren Friedhof begraben wird, empfangen sie mit großen Ehren. Deshalb haben wir heute ein großes Fest.

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