Die Manen (Veļi) auf dem Friedhof

From Pasakas un teikas
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Beinah vor hundert Jahren hat sich in der Kirche und auf dem Friedhof von Vecmuiža etwas Sonderbares begeben. Als der Schreiber des Gutshofes an einem späten Herbstabend an der Kirche vorbeiging, sah er, dass sie erleuchtet war. Da begab sich der Schreiber sogleich zum Pfarrer und erzählte ihm, dass er in der Kirche Licht gesehen habe. Dann scheuchte er alle Gutsarbeiter auf die Beine. Mit allen möglichen Dingen bewaffnet, begaben sie sich zur Kirche, die noch immer erleuchtet war. Der Pfarrer glaubte, es seien Diebe in der Kirche, deshalb stellte er Wachen vor jedes Fenster und vor die Tür hin. Selbst aber begab er sich, von einer ansehnlichen Menschenschar gefolgt, in die Kirche.

Nachdem sie die Kirche gründlich durchsucht hatten, fanden sie keine Spuren weder von Licht, noch von Dieben. Alle begaben sich zur Ruhe. Aber zur großen Verwunderung aller erschien ein ähnliches Licht auch auf dem Friedhof an der Stelle, wo man vor wenigen Tagen den alten Pfarrer begraben hatte. Die Leute wurden von großer Angst gepackt. Die drei Mutigeren, mit Knütteln bewaffnet, rafften sich dennoch auf und gingen auf den Friedhof, während die anderen in einigem Abstand zitternd zuschauten. Aber sobald die drei Mutigen den Friedhof betreten hatten, verschwand das Licht, obwohl die Weiterstehenden es noch sehen konnten. Die Mutigen legten mehrmals den Weg von der Guts-Korndarre bis zum Friedhofswall zurück, aber jedes Mal ohne Erfolg. Sobald sie sich dem Wall näherten, war das Licht verschwunden. Gegen Morgen konnte niemand das Licht mehr sehen. Die Leute erzählen: der alte Pfarrer sei ein der Kirche aufgebahrt gewesen, aber man habe vergessen, an seinem Sarg die Kerze anzuzünden, deshalb habe das sonderbare Licht sowohl in der Kirche als auch auf seinem Grabe geleuchtet.

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