Die Manen (Veļi) auf dem Friedhof

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search
Comments: Ētmanis in Kazdanga hat die folgende Sage aufgeschrieben: Einmal ritt eine lange Schar Manen. Alle Reiter hatten nur Hähne und Hühner als Reittiere, nur ein einziger, der dem langen Zug folgte, ritt auf einem Schwein. Als die Reiter an eine Hecke kamen, sprangen die ersten alle hinüber; nur das Schwein konnte nicht hinüberspringen: es kroch durch die Hecke hindurch, wobei es seinen Reiter abstreifte und selbst davonlief. Deshalb muss man keine Schweine zur Beerdigung (zum Leichenschmaus) schlachten —sie sind schlechte Reittiere. L. P.


Die verstorbene Patentochter erschien ihrer Patin und erzählte ihr, dass sie (die Manen) morgen ihr Beerdigungsfest feiern würden. "Ach, Töchterchen, wie gern ich euer Fest sehen würde!" rief die Patin aus, "kannst du mir nicht sagen, wie das möglich wäre?"

"Das ist eine Kleinigkeit," antwortete die Patentochter, "wenn du siehst, dass ein Toter zum Friedhof gebracht wird (ob nun der jetzt Verstorbene oder später ein anderer), so steige auf der Hausboden und schau durch das Bodenfensterlein: dann wirst du uns sehen, Nur lachen darfst du nicht, wenn du etwas Komisches siehst, denn um das Fest um so großartiger zu gestalten, reiten wir Manen jeder auf dem Tier, das zu seiner Beerdigung —zum Leichenschmaus —geschlachtet wurde. Deshalb halte das Lachen zurück, dann wirst du uns sehen.

Nachdem die Patentochter das gesagt hatte, verschwand sie, als wäre sie von der Erde verschluckt worden. Als die Bäuerin zur Landstraße hinsah, erblickte sie einen Leichenzug. Eilig stieg sie zum Hausboden hinauf. Und was sah sie? Der Leichenzug war noch gut zwei Werst vom Friedhof entfernt, als sich dort ein Sonderbares Gedränge entstand.. Einige Augenblicke später erschien der erste Mane auf der Straße, der einen Ochsen zum Reittier hatte. Ihm folgten andere Manen: einer auf einem Hammel, ein anderer auf einem Ziegenbock, ein dritter auf einer Kuh, noch andere auf Schafen, Schweinen, Gänsen, Enten und Hühnern. Die ganze Schar bewegte sich langsam dem Leichenzug entgegen. Wer den Leichenwagen erreicht hatte, ließ sein Reittier laufen und setzte sich in den Wagen. Als der Wagen bereits voll war, kletterten andere aufs Pferd oder hängten sich an die Sielen. Zaumzeug, Zügel, alles war voller Toten. Es waren ihrer schon so viele, dass das Pferd den Leichenwagen kaum noch ziehen konnte, da kam noch einer auf einem lahmen Hahn nachgeritten. "Na so was!" lachte die Bäuerin auf, "konntest du denn kein anderes Tier zum Reiten haben als nur einen lahmen Hahn?" Plötzlich waren alle Toten und ihre Reittiere vor ihren Augen verschwunden. Nur das Pferd zog den Leichenwagen mühsam voran. Seit der Zeit hat sich die Patentochter nie mehr sehen lassen, und die Bäuerin —obwohl sie es mehrmals versucht hat -hat nie mehr eine Seele zu sehen bekommen.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox