Die Manen (Veļi) auf dem Friedhof

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search

Es lebte einmal eine Bäuerin, die war eine Hexe. In demselben Hause wohnte auch eine Waise, die bei der Bäuerin diente. Jeden Sonnabend sah sie, dass die Bäuerin auf den Boden stieg und dort verschwand. Sie folgte ihr, sah jedoch nichts. Die Bäuerin zu fragen wagte sie nicht. Eines Samstags schickte die Bäuerin sich wieder an, sich zu entfernen; sie sagte dem Mädchen, heute sei das Fest der Manen (veļu svētki) und alle Toten bestatteten einen jüngst verstorbenen Nachbar. Auch sie werde teilnehmen. Das Mädchen bat, sie mitzunehmen, sie möchte ihr Mütterchen sehen. Die Bäuerin sagte, sie könne sie nicht mitnehmen, wenn sie aber (ihre Mutter) so sehr sehen möchte, so solle sie um die Vesperzeit, auf den Boden steigen und zum Fenster hinausschauen. Wenn sie aber etwas Spaßhaftes sehe, dürfe sie weder lachen noch sprechen. Damit ging die Bäuerin fort.

Als das Mädchen die Hausarbeit besorgt hatte, stieg es um die Vesperzeit auf den Boden und steckte den Kopf zum Fenster hinaus, schaute zur Straße hin und wartete, was sich begeben werde. Nach einer kleinen Weile kam ein Leichenwagen gefahren, auf dem ein schwarzer Sarg stand. Dem Sarge folgten Geister. Aber wie spaßhaft: der Eine reitet, der Andere fährt, der Eine zu Fuß, ein anderer auf einem Besenstiel. Das Mädchen spähte, ob es nicht ihre Mutter sehen würde. Sie sah sie auf einer weißen lahmen Stute reiten und in kleinen Abstand ritt auf einem roten zerzausten, lahmen Hahn ihre Bäuerin. Da konnte das Mädchen sich nicht enthalten und lachend sagte sie: "Ach Gott, wie komisch!" Da verschwanden die Geister, und das Mädchen fand sich in der Stube auf dem Gesicht liegend wieder. Die Bäuerin verschwand zwar nach wie vor am Samstag, das Mädchen aber mochte ausschauen, so viel sie wollte – die Geister bekam es nicht wieder zu Gesicht.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox