Die Manen (Veļi) auf dem Friedhof

From Pasakas un teikas
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Auf dem Friedhof von Lēdurga ließen sich jede Nacht der verstorbene Pfarrer und der verstorbene Arzt sehen. Der Arzt hatte einen Menschen vergiftet, der Pfarrer einen lebendig begraben, deshalb hatten sie zur Strafe keine Ruhe in ihren Gräbern. Sie mussten herumirren. Gewöhnlich waren es Frauen, die die Gespenster sahen. Sie konnten alles sehr genau erzählen. Gerade um Mitternacht pflege der Pfarrer sich aus seinem Grabe zu erheben und sich an seinen Platz auf den Wall des Friedhofes zu begeben. Gleich danach erhebe sich auch der Arzt aus seinem Grabe, stelle sich auf die Bank, die an seinem Grabe stehe, und springe von der Bank wieder herunter. Wenn man sich bekreuzige, dann können sie in der Nacht nicht mehr aus dem Grabe heraus.

Einmal prahlten zwei Männer, sie hätten keine Angst vor Gespenstern. Sie schlossen eine Wette ab, nach der sie sich gerade um Mitternacht auf den Friedhof begeben wollten. Um mehr Mut zu haben, stärkten sie sich im Krug und begaben sich um zwölf Uhr auf den Friedhof. Sobald sie dort angekommen waren, erblickten sie den Pfarrer, der auf seinem gewohnten Platz auf dem Walle stand. Da erschraken die beiden mutigen Männer und eilten nach Hause. Der Eine hatte es so eilig, dass er den Berg herunterfiel und sich erschlug. Der Andere war vor Angst so verstört, dass er nicht nach Hause, sondern in die völlig andere Richtung lief, in den Fluss fiel und ertrank. Die Leute sagten, es sei die Strafe dafür, dass sie die Wette abgeschlossen hätten: wem es von Gott auferlegt sei, herumzuirren, der müsse es tun.

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