Die Manen (Veļi) auf dem Friedhof

From Pasakas un teikas
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Ein Bursche wollte mit aller Gewalt Tote zu sehen bekommen. Ein alter Mann belehrte ihn: er solle an einem Tag, an dem ein Verstorbener beerdigt werde, sich auf den Friedhof begeben, ein Holzstück mit einem Astloch, das von einem Kreuz abgespalten wurde, besorgen, sich verstecken und durch das Astloch gucken, dann werde er genug Tote zu sehen bekommen. Gut er begab sich auf den Friedhof, fand ein Stück eines alten Kreuzes, das ein Astloch hatte, und versteckte sich. Als sich nun der Leichenzug dem Friedhof näherte, sah der Bursche, dass die Toten sich in Scharen dem neuen Verstorbenen entgegen begaben. Manche ritten, manche gingen zu Fuß. Einer ritt auf einem Kalb, ein anderer auf einem Eber, ein dritter auf einem Hammel. Jeder ritt auf dem Tier, das zu seiner Beerdigung geschlachtet worden war. Wer so arm gewesen war, dass man zu seiner Beerdigung nichts geschlachtet hatte, musste zu Fuß gehen. Als die Toten dem Leichenzug begegneten, verbeugten sie sich, denn die Toten verbeugen sich nur, sie reichen nie die Hand. Dann begleiteten sie ihn zum Friedhof. Nachdem er ins Grab hinabgelassen worden war, verschwanden sie.

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