Die Manen in der Kirche

From Pasakas un teikas
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Comments: J.Siķēns in Vecumnieki (Etn.IV., 1894) hat aufgeschrieben: In den Samstagnächten versammeln sich die Seelen der Verstorbenen in der Kirche. Die Predigt halte der Pfarrer, der als letzter in jener Gegend gestorben und begraben sei. Alle Toten seien weiß gekleidet. Orgel werde gespielt und man singe laut zu ihren Klängen. Wenn ein Lebender sich der Kirche nähere, gehe das Licht aus, Hören die Lieder auf und die Tür bleibe eine ganze Weile geöffnet. Würde ein Lebender die Kirche betreten, dann würden die Verstorbenen ihn töten und in ihre Schar aufnehmen, nach dem Gottesdienst verschwinde der Getötete mit den anderen Toten auf den Friedhof, ohne das geringste Zeichen zurückzulassen, wie und wo er verschwunden sei LP. VII, I, 71, 10.
Comments: Die Sage über den Totengesang in der verwüsteten Kirche von Rēzekne (Rositten) ist in drei Balladen aus dem Ende des 16. Jhs. erhalten (Lutz Mackensen, Baltische Texte der Frühzeit, Riga, 1936, 138–148). Eine der Balladen hat der schon erwähnte H. Wartmann aufgeschrieben (1854). Den Inhalt seiner Ballade hat auch Fr. Bienemann nacherzählt. 1575 hat ein gewisser Egendörfer (Alexander Egendoerffer von Presslaw) eine solche Ballade aufgeschrieben. Auch die dritte Ballade stammt, wie es scheint, aus derselben Zeit, aber über ihren Autor ist nichts bekannt. Dem Inhalt nach sind alle drei Balladen sich sehr ähnlich. P. Š.


In Livland befindet sich ein Schloss, das man Rēzekne (Rositten) nennt. Die Moskoviter hatten die dortige Kirche zerstört. Lange Zeit konnte dort kein Gottesdienst gehalten werden, bis Gott ein Wunder wirkte. Man hörte in der Kirche Singen und Spielen, aber niemand wusste, wer dort sang. Da beschloss man, einige Pfarrer zu der zerstörten Kirche zu schicken, um zu erfahren, wer dort sang. Im Namen Gottes betraten sie die Kirche. Da erscholl das Lied: "Heilig ist Gott Zebaoth" und gleich darauf "Eine feste Burg ist unser Gott!" Sie sahen, dass viele Gräber offen waren und dass eine große Menschenmenge die dreißig Sänger umringte. Die Pfarrer kannten sie alle und fragten sie, warum sie sängen. Darauf antworteten sie: "Unsere Herzen frohlocken, denn der Tag des Herrn ist nahe und unsere Rettung ist nicht mehr fern!" Nachdem sie das gesagt hatten, verschwanden sie alle ganz plötzlich. Ihr Singen aber war noch weiter zu hören, es war, als würde es aus der Erde kommen. Die Kirche aber, die doch Sarg verwüstet war, sah jetzt so schmuck und sauber aus. Was das Wunder zu bedeuten hat, das wird die Zeit uns lehren.

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