Die Manen in der Kirche

From Pasakas un teikas
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Einer Mutter war die Tochter gestorben. An demselben Tag starb in der Nachbargemeinde ein junger Bursche. Am Samstagabend ging die Mutter an der Kirche vorbei. Unterwegs begegnete sie einem jungen Burschen, der mit ihr zu reden begann. Die Mutter erzählte ihm ihren Kummer. Der Bursche hörte sie an und sagte dann: "Deine Tochter wird morgen Hochzeit haben".

"Wieso denn das?," wunderte sich die Mutter. Da erzählte der Bursche ihr, wie es gewesen sei und wie es sein werde und dass er morgen mit ihrer Tochter Hochzeit feiern werde. Wenn sie ihre Hochzeitsfeier sehen wolle, so solle sie auf den Kirchturm steigen und von dort aus zu schauen. Sie könne alles machen, nur lachen und reden dürfe sie nicht. Nachdem der Bursche ihr das alles erzählt hatte, verschwand er ganz plötzlich. Am Sonntagabend stieg die Mutter auf den Kirchturm. Sie trat an das Turmfensterlein und schaute auf die Straße hinunter. Bald darauf erschien der Hochzeitszug. Die Hochzeitsgäste kamen geritten. Allen voran ritten Braut und Bräutigam, die weiß gekleidet waren. Hinter dem jungen Paar ritten die Anderen — manche auf Kühen, andere auf Kälbern, Ochsen, Hähnen, Enten und anderen Tieren. Unter den Hochzeitsgästen befand sich auch ein lahmer, alter Mann, der auf einem Eber ritt. Der Eber wollte immer wieder in der Erde wühlen, und der alte Lahme konnte mit ihm nur schlecht fertig werden. Nicht weit von der Kirche zwängte sich der Eber in eine Hecke. Der Alte fiel auf die Erde, und der Eber begann fürchterlich zu quieken. Da musste die Mutter doch lachen. In demselben Augenblick aber waren alle Hochzeitsgäste verschwunden. Die Straße war leer. Jetzt verstand die Mutter, dass sie falsch gehandelt hatte.

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