Die Manen in der Kirche

From Pasakas un teikas
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Comments: Aus Gulbene wird geschrieben, dass die Toten genau so wie die Lebenden in die Kirche gehen. Einmal ist ein Mann um Mitternacht an der Kirche vorbeigefahren. Da hat er gesehen: die Kirche ist voll mit Menschen und auf allen Fensterbänken brennen Lichter. Auch er betrat die Kirche. Da kam sein verstorbener Patensohn auf ihn zu und sagte: "Warum bist du gekommen? Niemand darf zu uns kommen, der nicht zu uns gehört!" Kaum hatte er das ausgesprochen, da wurde er von Toten umringt die begannen, ihm die Kleider vom Leibe zu reißen. Es gelang ihm jedoch noch, aus der Kirche zu fliehen. Als er am nächsten Tag auf den Friedhof kam, fand er dort die Fetzen seines Rockes, den die Toten in der Nacht zerrissen hatten. L.P.


Eines Samstagbends — es war zur Zeit der Leibeigenschaft — ging ein junges Mädchen nach getaner Fronarbeit nach Hause. Ihr Weg führte sie an der Kirche vorbei, und sie hörte, dass in der Kirche gesungen wurde. Sie wollte nachsehen, wer da singen mochte. Da sah sie: die Toten, alle weiß gekleidet, waren aus ihren Gräbern aufgestanden und beteten in der Kirche. Als sie das Mädchen bemerkten, jagten sie ihr nach. Sie ergriff die Flucht. Glücklicherweise gelang es ihr, ein Roggenfeld zu erreichen und über die Kreuzfurche zu springen. In demselben Augenblick waren ihre Verfolger verschwunden. Sie hatte es von ihrer seligen Mutter gelernt: wenn man von Toten oder von Geistern verfolgt werde, so solle man nur über die Kreuzfurche das Roggenfeldes springen — sofort ließen sie von einem ab.

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