Die Manen in der Kirche

From Pasakas un teikas
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In alten Zeiten fuhr ein Bauer mit seiner Frau von Smiltene nach Ēvele. In der Nacht langten sie an der Ēvele — Kirche an und banden ihr Pferd an einen Zaun. Die Kirche war erhellt, die Gemeinde sang, und die Orgel spielte. Die Bäuerin sagte zu ihrem Mann: "Füttere nur das Pferd, ich will in die Kirche gehen und Gottes Wort anhören." Der Bauer fütterte das Pferd und die Bäuerin trat in die Kirche, setzte sich auf eine Bank und erblickte zu ihrem Erstaunen neben sich sitzend ihre Schwester, die vor fünfundzwanzig Jahren gestorben war. Die Schwestern erkannten einander. Die verstorbene Schwester sprach zu lebenden: "Schwesterchen, weshalb bist du zu unserem Gottesdienst gekommen? Geh gleich fort, wenn dich jemand entdeckt, wird er dich in Stücke reißen. Wenn dich jemand beim Verlassen der Kirche festhalten will, so wirf irgendein Kleidungsstück hin." Auch die übrigen Kirchenbesucher aus der Gesellschaft der Toten wurden aufmerksam, denn sie witterten einen Lebenden. Da verließ die lebende Schwester eilends die Kirche. An der Kirchentür wollte ein Mann sie fangen. Sie warf ihr Tuch hin und floh. Die Toten ergriffen das Tuch und zerrissen es in kleine Fetzen. Über die Kirchentür hinaus sollen die Toten die Bäuerin nicht verfolgt haben, ihre Zeit mag abgelaufen gewesen sein.

Wäre die lebende Schwester, die Bäuerin, nicht aus der Kirche geflohen, so hätten die Toten sie in tausend Stücke zerrissen.

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