Die Manen in der Kirche

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search
Comments: Derselbe Erzähler erwähnt, dass die Leute aus Lestene öfters einem Toten ein Gesangbuch auf den Sarg gelegt hätten, damit er daraus singen kann. Sie gaben ihm auch Nahrung mit, damit er zu essen hatte und Getränke, damit er zu trinken hatte. L.P.


Einmal wollte eine Frau zum Abendmahl gehen und stand deshalb am Sonntag früher auf. Sie lebte in der Nähe der Kirche. Als sie hinausging, sah sie zu ihrer Verwunderung, dass die Kirche bereits erleuchtet war. Sie dachte bei sich: "Sonderbar, dass der Pfarrer schon so früh (mit dem Gottesdienst) begonnen hat!" Sie eilte zur Kirche, um nachzusehen, Als sie ankam, sah sie, dass die Kirche von Toten erfüllt war, auch der Pfarrer auf der Kanzel war ihr fremd. Die Frau war ganz verwirrt. Aber in demselben Augenblick kam eine unlängst Verstorbene auf sie zu und sprach zu ihr: "Frau, mach, dass du schnell aus der Kirche herauskommst, sonst wird es dir schlecht ergehen!"

Schnell lief sie zur Tür hinaus. In demselben Augenblick erlosch in der Kirche das Licht und die Tür fiel zu, so dass der Frau eine Ferse abgeschlagen wurde. Die Frau erzählte von ihrem Erlebnis dem Pfarrer, aber der Pfarrer glaubte es ihr nicht. Aber — ein Jahr später — ritt der Pfarrer eines Abends spät nach Hause und erblickte Licht in der Kirche. Er band sein Pferd an und ging nachsehen: die Kirche war voll von Toten. Aber er fürchtete sich nicht: er sang mit und ging mutigen Schrittes zum Altar. Ganz plötzlich aber erlosch das Licht. Die Tür schlug zu, und er konnte nicht mehr hinaus. Nichts zu machen er kletterte auf den Turm und begann um Hilfe zu rufen. Aber wen kannst du schon mitten in der Nacht herbeirufen? Schließlich begann er die Glocke zu läuten. Nun kamen Leute herbeigelaufen und ließen ihn hinaus.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox