Die Manen in der Kirche

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Comments: A. Lerchis-Puškaitis hat man eine kurze Sage aus Lubāna zugesandt, in der erzählt wird, dass der Lehrer der Gemeindeschule im Jahre 1860 gestorben sei. Erst nachdem man einen dritten Stein auf seinen Grab gelegt hatte, habe er sich nicht mehr aus dem Grabe erhoben. LP. VII, I, 72, 19.


Einmal noch zur Zeit der Leibeigenschaft hatte die Kirche von Lubāna einen sehr gottesfürchtigen Küster. Er war auch sehr pünktlich und begann mit dem Orgelspiel nie zu spät oder zu früh als der Pfarrer beim Gottesdienst seine Gemeinde versorgte. Einmal — es war kurz nach seinem Tode — gingen die Leute nach der Fronarbeit auf dem Gutshof nach Hause. Als sie an der Kirche vorbeigingen, hörten sie Singen und Orgelspiel in der Kirche. Sie gingen ans Fenster und schauten hinein: in der Kirche brannten Kerzen, der Küster spielte und die Gemeinde sang wie beim sonntäglichen Gottesdienst. Nur der Pfarrer fehlte. Aber sobald der Küster merkte, dass die Leute am Fenster waren — in demselben Augenblick krähte auch noch der Hahn — da wurde alles still in der Kirche und das Licht erlosch.

Am nächsten Morgen schauten sie auf dem Friedhof nach: ja, das Grab war wie umgewühlt. Nun wussten sie, dass der Küster wahrhaftig in der Nacht in der Kirche gewesen war. Sie erzählten dem Pfarrer, was sie gesehen hatten, und der Pfarrer befahl einen großen, flachen Stein auf das Grab zu legen, damit der Tote nicht mehr aufstehen könnte. Das wurde gemacht. Aber als die Leute am nächsten Morgen auf den Friedhof kamen, war der große Stein mitten durchgebrochen. Jetzt begriffen sie, dass der Tote wieder aus dem Grab gekommen war und in der Kirche gespielt hatte. Nun beschlossen sie, einen anderen Stein auf den ersten zu legen und beide mit Schrauben an einander zu befestigen. Sie taten es so, und diesmal war der Küster nicht mehr in der Lage, die Steine zu durchbrechen und aus dem Grab zu gelangen. Man kann noch heute das Grab des Küsters auf dem Friedhof von Lubāna sehen, woraus man schließen kann, dass die Sage noch nicht sehr alt sein kann, denn auch die Steine sind nicht tief in die Erde eingesunken. Man kann auch sehen, dass der erste Stein durchgebrochen ist und dass man einen zweiten auf ihn gelegt und an ihm befestigt hat.

Diese Sage ist sehr bekannt und wird in mehreren Varianten erzählt.

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