Die Manen in der Kirche

From Pasakas un teikas
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Als Großmutter noch ein kleines Mädchen war, starb der Totengräber und Orgelspieler Štams. Das Schlimme dabei war, dass der fleißige Orgelspieler im Grabe keine Ruhe fand und dass er allnächtlich in die Kirche ging, um dort die Orgel zu spielen. Sobald Štams die Kirche betrat, begannen die Kerzen zu brennen, die Gemeinde sang und er selbst spielte auf der Orgel. Viele Menschen kamen an die Kirchenfenster, schauten hinein und hörten zu. Schließlich holten sie den Kirchenschlüssel. Aber sobald sie die Kirchentür aufschlossen, wurde es in der Kirche still und dunkel wie im Grabe. Zogen sie den Schlüssel wieder ab, wurde die Kirche von neuem hell.

Mehrmals wurde für den Küster in der Kirche gebetet: Gott möchte seine Seele in Gnaden aufnehmen. Aber das alles half nichts: Štams kam und kam in die Kirche, um die Orgel zu spielen Da beschloss der Gemeinderat, eine Steinplatte in der Größe des Grabes anfertigen zu lassen. Das Auflegen der Platte wollten sechs Pfarrer anderer Gemeinden besorgen. Jeder von ihnen hielt eine Rede. Als der Stein schließlich auf das Grab gelegt worden war, sprach auch der Pfarrer der eigenen Gemeinde und bat Štams in Gottes Namen die ihm (dem Pfarrer) von Gott auferlegte segensreiche Arbeit nicht zu stören, denn viele Gemeindeglieder wollten nicht mehr in die Kirche kommen. Die Großmutter wusste nicht zu sagen, ob der Stein oder die Rede des Pfarrers Štams gehindert haben, weiter in der Kirche die Orgel zu spielen.

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