Die Manen gehen herum

From Pasakas un teikas
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Comments: V.Nr.1.–28. wird von Manen, die eines natürlichen Todes gestorben sind, gesprochen. P. Š.


Jānis Zelle war noch ein junger Bursche, als er in den Dienst eines Bauern in der Nähe von Jelgava trat. Der Bauer ließ ihn in der Korndarre schlafen, da in der Stube zu wenig Platz war. Jānis war nicht ängstlich, deshalb widersprach er nicht. Um die Zeit der ersten Hähne, als man zum Dreschen aufstehen musste und der Bursche bereits wach war, betrat ein Mann in einer altmodischen Herrenkleidung die Korndarre, begann dort auf und ab zu gehen, indem er bei sich sprach: "Morgen, Morgen!" Da bekam der Bursche große Angst. Aber — wohin fliehen? Auf einmal hörte er, dass das übrige Gesinde zum Dreschen kam; das Gespenst verschwand.

Als der Bursche den anderen Leuten erzählte, was er gesehen und gehört hatte, spien sie aus und sagten, die Korndarre sei auf einem alten Friedhof erbaut. Nachts gehe oft ein Gespenst herum, der die Gestalt eines alten Herrn in blauem Frack mit blanken Knöpfen und roter Weste haben und "Morgen, Morgen" sage. Sonst sei er aber harmlos und tue nichts Böses. Auch jetzt steht auf dem Grund des Friedhofs eine Korndarre, und noch immer weckt ein Gespenst die Drescher, wenn sie sich an die Arbeit begeben müssen.

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