Die Manen gehen herum

From Pasakas un teikas
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Diese Begebenheit soll sich vor etwa vierzig Jahren zugetragen haben. Sie wurde mir von Frau Tamsons erzählt, die damals ein kleines Mädchen war. Ihre Eltern haben in dem Hause gewohnt, welches man noch heute das Tamsonsche Haus nennt. Sie sollen aber das andere Ende des Hauses bewohnt haben, nicht aber jene Räume, in denen Heute die Tamsoni wohnen. Es ist an einem Silvesterabend geschehen.

In Talsi lebte damals ein Bettler, der schon ziemlich alt war. Einmal fiel es ihm ein, das genannte Haus aufzusuchen, um zu sehen, wie es seinen Bewohnern ging. Er kam herein und setzte sich an den Ofen, aber er war abgemagert und blass und hat nichts gesagt. Nachdem er eine Weile gesessen hatte, erhob er sich und wollte sich auf den Weg machen. Er nahm sein Bündelchen und wollte gehen, aber da fiel er plötzlich hin und stand nicht mehr auf. Als die Hausbewohner sahen, dass er nicht mehr aufstand, eilten sie herbei, um zu sehen, was ihm geschehen war, aber er war bereits gestorben. Sie schafften ihn auf den Friedhof und bestatteten ihn.

Außer den Hausbesitzern wohnten noch Leute zur Miete in ihrem Haus. Sie waren am Silvesterabend ausgegangen und es war sonst niemand zu Hause als die Hausbesitzerin allein. Sie hatte sich schlafen gelegt. Nach einer Weile hörte sie ein Gespräch zwischen zwei Menschen, die von draußen hereingekommen zu sein schienen. Sie glaubte, das seien wohl die Mieter, aber sie wunderte sich, wie sie hereingekommen sein mochten, da sie die Außentür von innen abgeschlossen hatte. Sie wollte jedoch weiterschlafen, da hörte sie auf einmal leises Flüstern, und eine Stimme sagte: "Man müsste nachsehen, wie viel Uhr es ist." Nach einem Weilchen sah die Frau, wie im Nebenzimmer ein Streichholz aufflammte. Jemand sah nach der Uhr und sagte dann: "Es ist ein Uhr." Dann wurde alles still, es war nichts mehr zu hören. Kurz darauf wurde ans Fenster geklopft: die Mieter waren heimgekommen und baten, hereingelassen zu werden. Sie fragte sie sogleich: "Wart ihr denn nicht schon vorher zu Hause?" Sie antworteten, sie seien nicht zu Hause gewesen. Nun erzählte die Frau, was sie in der Nacht gehört hatte, aber sie wunderten sich nur und konnten nicht begreifen, was das zu bedeuten hatte.

Jetzt erhob sich die Frage, wer es denn gewesen sein konnten die in der Nacht die Stube betreten hatten, obwohl die Außentür von innen verschlossen gewesen war. Sie begannen zu denken, dass der Bettler wohl zu der Stelle zurückgekehrt war, an der er sterben musste, und dass er einen Freund mitgenommen hatte, ihm die Stelle zu zeigen. Nun schlug man einen Nagel an der Stelle in den Fußboden, wo er gestorben war, und seit der Zeit spukte es nicht mehr im Hause.

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