Die Manen gehen herum

From Pasakas un teikas
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Einmal musste Jēkabs Ritenis zum Gemeindehaus. Von dort kehrte er in den Kirchkrug ein, wo er einige Flaschen Bier trank. Gegen Abend, als die Sonne bereits untergehen wollte, machte er sich auf den Heimweg. Sein Weg führte ihn vom Kirchkrug am Reinis-Friedhof vorbei zum Pfarrhof der Gemeinde. Auf dem Reinis— Friedhof war der Junggeselle Ādlēris begraben, der sich erschossen hatte. Ādlēris und Ritenis waren gute Freunde gewesen, vor Ādlēris Tod hatten sie noch eine halbe Flasche zusammen geleert. Als es dunkel wurde, näherte sich Ritenis dem ReinisFriedhof. Da hörte er einen sonderbaren Lärm, der an das Rasseln und Klappern eines Wagens erinnerte, der mit Brettern beladen war. Der Lärm schien so nahe zu sein, dass Ritenis, der inzwischen die Reinis-Brücke erreicht hatte, sich gegen ihr Geländer lehnte, seine Pfeife anzündete und nun wartete, bis die Fuhre vorbeigefahren sein würde. Der Fahrer kam jedoch nicht angefahren und das Rasseln verstummte. Inzwischen hatte sich dichter Nebel ausgebreitet, die hohen Bäume des Reinis-Friedhofes waren im Nebel nicht mehr zu sehen. Ritenis setzte seinen Weg fort. Gegenüber dem Reinis-Friedhof trat ihm der verstorbene Ādlēris entgegen. Er ergriff seine Hand, ließ ihn umkehren und sagte: "Hier geht es nach Hause!" Ohne ein Wort zu sprechen, gingen sie neben einander her. Auf einmal dachte Ritenis: "Wie weit soll ich eigentlich mit dir gehen?" Als sie an einen Strauch kamen, merkte Ritenis, dass es derselbe Strauch war, an dem er vor ganz kurzer Zeit vorbeigegangen war. Er ergriff die Zweige des Strauches und sagte: "Weiter gehe ich nicht!"

Ādlēris blieb stehen und schaute ihn an. Aber nach einer Weile war er verschwunden. Ritenis ging nach Hause.

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