Die Manen gehen herum

From Pasakas un teikas
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In dem Birkenhain des Mugi-Hofes in Nurmuiža geschah folgendes.

Vor langer, langer Zeit hütete der Hirte des Čakši-Hofes am Feldrain — den heutigen Hain gab es noch nicht, an seiner Stelle standen nur einzelne Birken-Kühe. Plötzlich — woher er kam, woher nicht — sprang aus dem Graben ein Wolf hervor und stürzte sich auf die Kühe. Der Bursche begann zu schreien und lief mit einem Knüttel dem Wolf nach. Da drehte der Wolf sich um und rannte auf den Jungen zu. Der Junge floh so schnell ihn seine Beine trugen. Es gelang ihm, auf eine Birke bis zu ihrem Wipfel hinaufzuklettern. Der Wolf blieb unten und umkreiste heulend die Birke mehrere Stunden lang. Inzwischen näherte sich der Abend. Es war Zeit, das Vieh nach Hause zu treiben. Aber alle Menschen schienen verschwunden zu sein, und niemand kümmerte sich um den Hirtenjungen. Schließlich schlich der Wolf davon, und der Junge begann herunter zuklettern. Da brach der Zweig, an dem er sich festhielt, er stürzte zur Erde und war auf der Stelle tot.

An Freitagabenden — denn es war an einem Freitag geschehen — könne man in der Dämmerung im Wipfel einer alten Birke noch heute den Hirtenjungen sehen und das Heulen eines Wolfes oder eines Hundes hören. Zuletzt hat ihn vor kurzer Zeit ein altes Mütterchen aus dem Armenhaus gesehen.

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