Die Manen gehen herum

From Pasakas un teikas
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Ein fremder Mann kam jeden Monat zu einem Schuster und ließ sich Maß für neue Stiefel nehmen. Der Schuster wunderte sich, wie der Mann so schnell seine Stiefel abtragen konnte. Eines Abends war der Fremde wieder zur Stelle. Nachdem der Schuster Maß genommen hatte, schlich er ihm nach, um zu sehen, welchen Weg er einschlagen werde. Und was sieht er: der Fremde kehrt auf den Friedhof ein und verschwindet dort. Nun, er macht sich nichts daraus. Aber was geschieht nun? Am nächsten Abend — während die Schusterfrau das Vieh im Stall versorgt — kommt der Fremde in die Stube und herrscht den Schuster ärgerlich an: "Warum bist du mir gestern nachgeschlichen? Was wolltest du sehen? Habe ich nicht immer bezahlt — was?" Und während der Schuster noch nach einer Antwort suchte, hatte jener — denkt euch nur! — sich den Kopf abgeschraubt, auf die Mauer hingestellt und stürzte sich nun ohne Kopf auf den Schuster.

Zum Glück hatte seine Frau den Lärm gehört. Sie kam herbeigelaufen und sah: der Kopf stand auf der Mauer, der Rumpf zauste ihren Mann. Was sollte sie nun machen? Sie ergriff den Kopf, trug ihn hinaus und warf ihn zum Abfall hin. Dann eilte sie in die Stube zurück, ihren Mann zu retten. Aber der Raufbold war nicht mehr zu sehen — unsichtbar war er seinem Kopf nachgelaufen und verschwunden.

Seit der Zeit hat er sich dem Schuster nie mehr gezeigt.

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