Die Manen gehen herum

From Pasakas un teikas
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Comments: In den Sagen von Nr. 52. bis Nr. 56. erscheinen die Manen in Tiergestalt. P. Š.


Anna Riekstiņa aus der Gegend von Kandava hat folgende Begebenheit erzählt. Bei ihr habe eine Frau namens Līze gewohnt, die ein siebenjähriges Töchterchen, ein recht liebes und nettes Kind, hatte. Aber die Tochter von Līze erkrankte und verstarb gerade am Himmelfahrtstag. Die Mutter hatte das Kind sehr geliebt und war vor Schmerz wie von Sinnen. Kurze Zeit nach der Beerdigung machte sich Līze auf den Weg, um ihre Schwester zu besuchen. Als sie sich wieder verabschiedete, schenkte die Schwester ihr ein weißes fettes Ferkelchen. Der Weg führte sie am Friedhof vorbei, auf dem ihr Töchterchen begraben war. Die Mutterliebe veranlasste Līze, das Grab ihres Kindes zu besuchen, um dort ein Gebet zu sprechen. Sie stellte den Sack mit dem quiekenden Ferkel neben das Grab, fiel auf die Knie und begann zu weinen und zu klagen, indem sie sprach: "Ach du, mein liebes, teueres Goldtöchterchen, wenn du nur wüsstest, wie sehr ich dich vermisse, wie ich Tag und Nacht Tränen um dich vergieße! Wenn du nur wieder lebendig werden und aus dem Grabe aufstehen würdest, so würde ich dir das prächtige Ferkelchen geben, das mir meine Schwester geschenkt hat". Kaum hatte Liese diese Worte ausgesprochen, als sie auch schon einen großen Vogel erblickte, der über dem Friedhof schwebte. Da wurde Līze von einer solchen Angst gepackt, dass sie eilends den Friedhof verließ. Nachdem sie ein gutes Stück gelaufen war, erinnerte sie sich an das Ferkelchen, das sie auf dem Friedhof zurückgelassen hatte. Was war nun zu machen? Sie nahm allen Mut zusammen und ging zurück, um das Ferkelchen zu holen. Aber wie sonderbar: der Sack war leer, und das Ferkelchen war nirgends zu sehen, Wohl rief Līze: "Ferkelchen, Ferkelchen!" Aber verschwunden ist verschwunden. Da erhob sich wieder der Vogel in die Luft, und Līze, die jetzt noch mehr erschrocken war, ergriff die Flucht. Als Līze nach Hause gekommen war, wurde sie vor Angst und vor Trauer um ihr Töchterchen und um das fette Ferkelchen krank. Sie siechte ein halbes Jahr, dann verstarb sie.

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