Die Manen gehen herum

From Pasakas un teikas
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Es hat sich vor langer, langer Zeit auf dem Zaķi — Gut von Aumeisteri begeben. Es starb die alte Mutter des Gutsschmiedes. Der Schmied bettete die Verstorbene in den Sarg und trug sie auf den Hausboden, denn sonst gab es keinen Raum für sie im Hause. In der nächsten Nacht kam das Haus nicht zur Ruhe: auf dem Hausboden waren Schritte zu hören und Lichter zu sehen. Der Schmied und seine Frau sahen und hörten das alles. Am nächsten Abend brachte der Schmied den Sarg mit seiner Mutter in die Gutsscheune. Aber dort wiederholte sich die gleiche Sache: man hörte Schritte und sah Lichter in der Scheune. Die Scheunentür öffnete sich, und Feuersäulen gingen hinein und kamen heraus. Die Feuersäulen kamen von dem Römischen Friedhof. Den Römischen Friedhof nennt man einen Grabhügel, der sich auf dem Grund des Zaķi-Gutes befindet und in dem man seinerzeit Totengebeine von ungewöhnlicher Größe, ein steinernes Beil und andere kleinere Dinge des Altertums gefunden hatte. Die Toten des Grabhügels waren nicht tief begraben: sie lagen höchstens zwei Fuß unter der Erde. Direkt über den Toten lag eine Schicht kleiner Steine, darüber war Erde gestreut worden. Alle, die die Feuersäulen gesehen hatten, sagten, das seien die längst Verstorbenen, die sich zu der Mutter des Schmiedes begaben. In der Nacht vor der Beerdigung der Mutter des Schmiedes kehrt der Gutstischler von dem Großen Krug der Aumeisteri-Gemeinde heim. Als er die Brücke bei Zaķu muiža erreicht hatte, erblickte er plötzlich hohe Feuersäulen, die sich auf beiden Straßenseiten fortbewegten, und eine Feuerkugel, die hüpfend die Straße entlang rollte. Auf der Brücke blieben die Feuersäulen stehen und ließen den Tischler nicht vorbei. Der Tischler war ein mutiger Mann und ging auf die Säulen zu. Da kamen die Feuersäulen jede von ihrer Straßenseite auf einander zu und trafen sich in der Mitte der Straße. Die Feuerkugel hüpfte um die Säulen herum, und der Tischler kam nicht vorbei. Da ging er an den Straßenrand, aber nun traten auch die beiden Feuersäulen jede an ihre Straßenseite zurück, und die Feuerkugel blieb in der Straße. Der Tischler konnte wieder nicht vorbeigehen. Auf diese Weise trieben es die beiden Säulen lange Zeit. Der Tischler kam nicht vorbei, aber sonderbarerweise erlitt er auch keinen Schaden, obwohl er ganz nahe an die beiden Säulen herangetreten war. Das Feuer war kalt. Da blieb dem Tischler nichts anderes übrig, als denselben Weg zurückzugehen. Auf großen Umwegen kam er schließlich nach Hause. Am Haus blieb er stehen und schaute zurück: die Feuersäulen standen noch immer auf der Brücke. Auch in der Scheune, in der die verstorbene Mutter des Schmiedes lag, waren Lichter zu sehen: Feuersäulen kamen heraus und gingen hinein. Nachdem nun die Mutter des Schmiedes begraben war, wurden nie mehr Feuersäulen in der Scheune gesehen.

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