Die Manen verlangen, begraben zu werden

From Pasakas un teikas
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Auf einem vom Wald umgebenen Einzelgehöft lebte ein Bauer. Nicht weit von seinem Gehöft entfernt befand sich am Waldrand ein kleines Häuschen, in dem ein Mann mit Frau und Sohn lebte. Der Mann war schon recht alt, die Frau dagegen war jung. Wenn sie nichts zu essen hatten, ging der Mann herum und bat die Leute ums Brot für seine Frau und seinen Sohn. Einmal kehrte er sehr spät nach Hause zurück. Seine Frau und sein Sohn waren schon fest eingeschlafen, so dass sie ihn gar nicht klopfen hörten. Als die Frau am nächsten Morgen hinausging, erblickte sie ihren Mann, der sich dicht an der Hauswand hingesetzt hatte: er war erfroren. Sie rief ihren Sohn herbei. Beide überlegten, was sie nun machen sollten. Sie hatten kein Geld, um ihn bestatten zu können. Lange dachten sie nach, da sagte der Sohn: "Lieber wollen wir fliehen aus diesem unserem Häuschen, Mutter. Wer ihn dann finden wird, der wird ihn bestatten." Sie flohen. Und niemand wusste, wo sie geblieben sind. Eines Tages kam der Bauer des Einzelgehöftes vorbei und erblickte den Alten, der an der Hauswand saß. Er benachrichtigte gleich andere Leute. Eine der herbeigeeilten Frauen wusch den Alten mit warmem Wasser ab, zog seine zerlumpten Kleider ans und zog ihm bessere an. Dann wurde er bestattet. Der geflohene Sohn des Alten mit seiner Mutter begann ein neues Leben in der Stadt. Der Sohn arbeitete, die Mutter aber dachte daran, einen anderen Mann zu heiraten, der sie bereits jeden Abend besuchte. Eines Abends war der Sohn nicht zu Hause. Die Mutter wartete auf ihren Bräutigam. Es war winter und sehr kalt. Auf einmal hörte sie, dass jemand kam. Sie dachte, das könne nur ihr Sohn oder ihr Bräutigam sein. Sie öffnete die Tür, da sieht sie: ihr alter Mann steht vor ihr und lacht. Erschrocken wollte sie die Tür zuschlagen, aber der Mann sagte: "Jetzt werde ich es dir heimzahlen! Du hast mich vor der Tür erfrieren lassen!" Er ergriff die Frau, nahm sie auf seine Schultern, brachte sie zum Brunnen und warf sie hinein. Dann kehrte er auf den Friedhof zurück. Als der Sohn heimkam, sah er dass die Tür offen stand, seine Mutter war jedoch nicht da. Zusammen mit dem Bräutigam der Mutter begann er, überall nach ihr zu suchen. Als er sie jedoch nicht fand, zog er an einen anderen Ort. Es verginge viele Jahre. Der Sohn heiratete und führte ein glückliches Leben. Aber eines Tages beschloss er, in die Stadt, in der er zusammen mit seiner Mutter gelebt hatte, zurückzukehren, um zu sehen, ob er sie nicht fand. Er führte sein Vorhaben aus. Aber wieder suchte er vergeblich nach ihr. Dann fiel es ihm ein, das kleine Haus aufzusuchen, in dem sie alle drei gelebt hatten. Als er sich dem kleinen Haus näherte, sah er keine Menschenseele, nur sein verstorbener Vater saß vor der Tür. Große Angst packte den Sohn, er fiel auf die Knie und bat seinen Vater um Verzeihung. Sein Vater antwortete: "Gut, mein Sohn, ich verzeihe dir. Aber deine Mutter liegt noch heute auf dem Grund des Brunnens, hole sie heraus und bestatte sie!"

Der Sohn kehrte in die Stadt zurück, fand den Brunnen und bat andere Leute, ihm beim Herausholen und Bestatten der Mutter zu helfen. Danach kehrte er heim, wo seine Frau und seine Kinder auf ihn warteten. Jetzt lebte er glücklich bis zu seinem Tode.

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