Manen werden getragen

From Pasakas un teikas
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Auf einem Rigaer Friedhof stand oft ein Toter, wobei er sich auf die Friedhofspforte stützte. Eines Abends waren einige junge Burschen zu Gast bei einem Kaufmann. Sie begannen damit zu prahlen, wer von ihnen der mutigste sei. Da sagte der Kaufmann: "Mag schon mutig sein wer will, aber meine Tochter ist die mutigste von euch allen!" Da lachten die Burschen und sagten: "Nun, wenn sie denn so mutig ist, so wollen wir ihr 50 Dukaten geben, wenn sie den Toten holt, der an der Friedhofspforte steht Gut, sie legten 50 Dukaten zusammen — das Mädchen ist bereit. Sie geht davon. Nicht lange — Scherz beiseite — kehrt sie mit dem Toten zurück und setzt ihn auf den Tische. Da wird es den Burschen so sonderbar zumute— sie solle den Toten wieder zurückbringen. Aber da sagt der Tote zu dem Mädchen: "Sie sollen dir andere 50 Dukaten geben; wenn nicht, müssen sie selbst mich zurückbringen!" Nichts zu machen — die Prahlhänse müssen noch mal 50 Dukaten zusammenlegen und noch Gott danken, dass sie auf diese Weise den Toten wieder loswerden. Sie trägt den Toten auf den Friedhof zurück, da sagt er: "Mädchen, du musst noch eine Tat vollbringen! Willst du es nicht tun, kommst du hier nicht weg." "Was muss ich denn tun?" "Hier hast du ein Messer. Ich wünsche dass du es mir zwischen die Rippen stößt!" "Aber warum soll ich Euch mit dem Messer stechen?" "Weil ich ein Mörder war und auf Erden meine Strafe nicht erhalten habe. Die Erde nimmt mich nicht an, bis Mitternacht kann ich nicht schlafen, ich muss an der Pforte stehen. Nimm das Messer, stich es mir zwischen die Rippen und geh dann nach Hause!" Da stach sie zu. Nur ein Häuflein Asche blieb an der Stelle (des Toten) übrig. Seit der Zeit stand der Tote nie mehr an der Pforte, denn er hatte seine Strafe aus der Hand eines getauften Menschen erhalten.

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