Manen werden getragen

From Pasakas un teikas
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Ein Bauer hatte am Rande des Dorfes ein neues Haus errichtet. Aber niemand wohnte in dem Haus. Dort versammelten sich die jungen Burschen und spielten auf Geld. Wer nicht zahlen konnte, gab heimlich Brot oder Getreide, aber so, dass seine Eltern und Verwandten es nicht erfuhren. Einmal starb in dem Dorf ein alter Mann. Er wurde auf dem Friedhof bestattet, der etwas außerhalb des Dorfes lag.

In dem Dorf lebte ein Bursche, der beim Spiel alle anderen besiegte und ihnen das Geld abnahm. Alle anderen Burschen wussten das. Wenn er kam und spielen wollte, erhoben sich die anderen und gingen nach Hause. Eines Abends kam der Bursche wieder und sah, dass viele junge Leute beim Spiel waren. "Wartet," dachte er da, "heute Nacht werdet ihr die ganze Nacht mit mir spielen, dafür werde ich sorgen!" Er nahm einen Spaten, begab sich zum Friedhof und grub einen alten Mann aus, der erst vor kurzem bestattet worden war. Er nahm den Alten auf den Rücken und brachte ihn zu dem Haus, in dem die anderen Burschen spielten, und stellte ihn als Wächter vor die Tür. Der Alte war steif und starr und stand nun wie lebendig da. Dann betrat der Bursche das Haus und wollte mit den anderen Spielen, aber die hörten gleich mit dem Spiel auf und schickten sich an, nach Hause zu gehen. Einer der Burschen ging zuerst hinaus. Da sieht er: der tote Alte steht vor der Tür. Erschrocken eilte er ins Haus zurück und erzählte, der Leichnam, den man vor kurzer Zeit begraben habe, stehe draußen vor der Tür. Die anderen Burschen traten ans Fenster: wahrhaftig, draußen stand der Verstorbene. Sie fürchteten sich, nach Hause zu gehen, aber so die Nacht zu verbringen, das war auch sehr langweilig. Sie dachten bei sich: so wollen wir bis zum Mitternacht spielen. Nach Mitternacht wird uns niemand mehr erschrecken, dann werden wir nach Hause gehen. Und sie wandten sich dem Spiel zu. Der Bursche, der den Toten vor die Tür gestellt hatte, nahm ihnen beim Spiel alles Geld ab, und viele mussten ihm noch schuldig bleiben. Zwei Burschen sprachen: gehen wir jetzt nach Hause!" Aber als sie aus dem Fenster schauten, sahen sie den Toten noch immer da stehen. Der Tote stand da, der Hund bellte ihn an und er drohte dem Hund mit dem Finger. Da wurden die Burschen von großer Angst gepackt, sie drängten sich an einander und sprachen: "Wie werden wir jetzt nach Hause kommen?"

Der Bursche aber (der den Toten herbeigeschleppt hatte) ging im Zimmer auf und ab und lachte nur. Schließlich sagte er:

"So kommt alle mit mir, ich habe nämlich keine Angst vor Töten!"

Sie verließen das Haus, der mutige Bursche voran. Da trat ihm der Tote entgegen und sprach: "Höre mal, du hast mich aus meinem Grab geholt und hier als Wächter hingestellt. Jetzt musst du mich wieder zum Friedhof zurücktragen, mich in mein Grab betten und Erde über mich schütten!"

Da erschrak der Bursche, denn der Tote sprach und bewegte die Hand, als wäre er lebendig. Was war zu machen? Der Bursche nahm den Alten auf die Schultern, brachte ihn zum Friedhof und wollte ihn schon ins Grab zurücklegen, da sagte der Alte: "Diesmal wirst du nicht mich begraben, sondern ich dich!"

Der Alte packte den Burschen an die Kehle, erwürgte ihn, legte ihn ins Grab und deckte ihn mit Erde zu. Selbst begab er sich wer weiß wohin. Man hört, dass er noch jede Nacht zu dem Haus zurückkehre und an der Tür Wache halte, aber niemand wohnt in dem Haus und auch die Burschen spielen dort nicht mehr, weil sie sie fürchten.

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