Die Manen verlangen Frieden und Achtung

From Pasakas un teikas
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Ein Elternpaar hatte einen sehr ungehorsamen Sohn. Er tat alles seinem Vater zum Trotz, und er ärgerte stets seine Mutter. Einmal erkrankte der ungehorsame Sohn und musste sehr lange das Krankenbett hüten. Eines Tages, als seine Mutter gerade nicht zu Hause war, packte die Krankheit den Geschwächten so gewaltig, dass er selbst sein Ende voraussah. Jetzt rief er nach seinem Vater, jetzt bat er seine Mutter an sein Krankenbett und flehte sie an, ihm seine bösen Taten zu vergeben. Der Vater verzieh ihm. Aber Mutter, die nicht zu Hause war, kam freilich auch nicht dazu, ihm zu vergeben. Er wartete und wartete auf ihre Rückkehr, aber seine Zeit war um, und er musste sterben, ohne die Verzeihung seiner Mutter erlangt zu haben. Der Sohn wurde begraben. Aber auch in dem Grabe fand er keine Ruhe: jede Nacht musste er umgehen und Leute erschrecken. Die Menschen sahen ihn bald hier, bald dort.

Ein Mann hatte die Absicht, noch spät in der Nacht die Straße am Friedhof vorbei entlangzufahren. Andere belehrten ihn zwar, so spät nicht mehr am Friedhof vorbeizufahren, denn einem ungehorsamen Sohn sei es auferlegt, dort jede Nacht zu spuken. Der Mann antwortete jedoch, er habe keine Angst vor Gespenstern! Er machte sich auf den Weg. Am Friedhof erblickte er einen weißen Mann. Der Fuhrmann rief ihm beherzt zu: "Bist du ein guter Geist, so komm und sprich mit mir; bist du ein böser Geist, so scher dich zum Teufel!" "Ich bin kein böser Geist. Ich finde nur keine Ruhe im Grab und muss so lange umherirren, bis meine Mutter mir vergeben haben wird. Lieber Mann, sei so gut, sorge dafür, dass meine Mutter mir vergibt. Sag ihr nur nicht, dass ich dich gesandt habe, dann wird sie mir nicht vergeben wollen." Der Mann versprach ihm, die Vergebung seiner Mutter zu erlangen. Er suchte die Mutter des Verstorbenen auf und bat sie: "Vergib, vergib!" "Wem soll ich denn vergeben?," fragte die Mutter. "Vergib allen," sagte der Mann. "Gut, so vergebe ich allen!," sagte die Mutter. "Nun gut, jetzt hast du auch deinem Sohn verziehen, und das wollte ich ja nur!"

In der nächsten Nacht begab sich der Mann zum Friedhof. Der Sohn kam ihm bereits entgegen und sprach: "Ich danke dir, guter Mann, dass du das für mich getan hast. Jetzt werde ich Ruhe in meinem Grab haben." Und seit der Zeit ging der Sohn nicht mehr um.

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