Die Manen verlangen Frieden und Achtung

From Pasakas un teikas
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Ein Gutsherr hatte in seinem Schloss eine Kammer, in der kein Mensch in Ruhe schlafen konnte. Der Herr versprach eine große Belohnung demjenigen, der es schaffen würde. Um die Menschen zu prüfen, ließ der Herr alle, die zu ihm kamen und in der Kammer schlafen wollte, in einer anderen Kammer schlafen in der es nicht spukte. Am nächsten Morgen pflegte er sie dann zu fragen, wie sie geschlafen hätten. Sie alle antworteten: "Wie im Schoß Gottes!" oder: "Wie im Schoß der Engel" oder so ähnlich. Über solche Antworten war der Herr erbost. "Was ist das für eine Narrensprache! Welcher Mensch soll denn verstehen, was das bedeutet: "Wie im Schoß Gottes! Wie im Schoß der Engel. Und er verjagte sie vom Hof. Eines Tages aber kam ein alter Soldat. Auch ihn ließ der Herr zuerst in der guten Kammer schlafen und fragte ihn am nächsten Morgen: "Nun, wie hast du geschlafen?" "Wie im Schoß der Mutter." antwortete der Soldat. "Das ist eine vernünftige Sprache, die jeder Mensch verstehen kann." Da bat der Herr den Soldaten, er möchte auch noch in der anderen Kammer schlafen. Gut! Welcher Soldat wird denn um sein Leben bangen! Am Abend betrat der Soldat die andere Kammer, verschloss die Tür mit einem Holzriegel, legte sich ins Bett und wartete. Da begann die Uhr zwölf zu schlagen. Auf einmal — krach! — der Holzriegel brach mitten durch. Die Tür sprang auf. Ein. Mann, der einen langen grauen Bart hatte, kam herein. Der Soldat lag ruhig und schaute: was wird der Mann nur tun? Da sieht er: der Alte holt ein Rasiermesser hervor, schlägt Seifenschaum, kommt an ihn heran und beginnt ihn zu rasieren: auch den Kopf rasiert er ihm kahl. Der Soldat sagt kein Wort: mag er nur rasieren. Aber sobald der Alte seine Arbeit beendet hat und sich entfernen will, springt der Soldat auf, wirft ihn aufs Bett und rasiert ihm auch den Bart und die Haare ab. Jetzt erhebt sich der Alte und beginnt zu reden: "Hab vielen Dank, dass du mich erlöst hast! Hundert Jahre bin ich schon so herumgegangen, aber niemand hat es gewagt, mich zu berühren. Das habe ich für die Sünden meiner Väter zu leiden gehabt. Aber jetzt habe ich ausgelitten. Man soll mich ordentlich begraben, dann werde ich keine Seele mehr stören. In meinen Taschen findest du Geld, das kannst du nehmen. Unter der Brücke, die von einem Wächter bewacht wird, ist im Sand eine Truhe mit Gold— und Silbergeld begraben — auch das gehört dir!" Nachdem der Alte so gesprochen hatte, fiel er zu Boden und war tot. Am nächsten Morgen erzählte der Soldat, was er erlebt hatte. Der alte Mann wurde ordentlich bestattet, und nun konnte jeder, der es wünschte, getrost in der Kammer schlafen, der Herr beschenkte den Soldaten reichlich und entließ ihn dann. Der Soldat wollte freilich auch das vergrabene Geld ausgraben, aber ohne das Wissen des Wächters konnte er es nicht: furchtbare Gespenster ließen es nicht zu. Schließlich machten sie es eines Abends beide zusammen — da gelang es.

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