Der Diener mit dem verstorbenen Herrn

From Pasakas un teikas
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In alten Zeiten lebte in Strutele ein Herr, der ein großer Zauberer war. Auch nach seinem Tode kannte er keine Ruhe und kehrte jede Nacht auf sein Gut zurück, um dort zu spuken. Eines Tages beschloss der alte Diener des Herrn das Gut und die Leute von dem Spuk zu erlösen. Er ließ für sich einen Sarg und eiserne Handschuhe anfertigen. Als sie fertig waren, brachte er den Sarg in das Grabgewölbe hinunter und stellte ihn neben den Sarg seines Herrn. Am Abend zog er die eisernen Handschuhe an und legte sich in den Sarg, als wäre er gestorben. Um Mitternacht warf der Herr den Sargdeckel ab und rief aus: "Ansis was machst du hier?" "Ich bin gestorben, gnädiger Herr!" "Zeige mir deine Hände!" Ansis zeigte dem Herrn seine eisernen Hände — ja, sie waren kalt wie Eis. "Wahrhaftig, du bist gestorben. Steh jetzt auf, wir wollen aufs Gut gehen!" Beide standen auf, begaben sich aufs Gut und gingen eine ganze Weile dort herum. Schließlich befahl der Herr Ansis, die große Tür seines Schlosses, die verschlossen war, zu öffnen. Ansis widersprach: "Ich bin zu meinen Lebzeiten nicht durch die vordere Tür gegangen und werde es nach meinem Tode nicht anders halten. Und wenn ich es schon täte, so müsste der Herr vorangehen. "Gut, gut, du bist immer demütig gewesen und bist es auch noch jetzt," lobte der verstorbene Herr seinen Diener und öffnete die verschlossene Tür mit einem Finger. Als der Herr seine Zimmer betreten hatte, tobte er dort herum, ergriff Teller und warf sie auf den Fußboden und forderte Ansisns auf, dasselbe zu tun, die Teller jedoch, die Ansis warf, zerbrachen.

Als die ersten Hähne krähten, kehrten sie in ihre Särge zurück. Nachdem der Herr sich in seinen Sarg gelegt hatte, ergriff Ansis den Sargdeckel, verschloss den Sarg und nagelte ihn zu, indem er sagte: "Ruht nun in frieden, gnädiger Herr. Ich war nicht gestorben, sondern ich wollte euch nur überlisten, um das Gut vom Spuk zu befreien." Da begann der Herr in seinem Sarg zu toben, aber es war alles vergeblich: er selbst hatte den Sarg geöffnet, ein Lebender hatte ihn verschlossen — jetzt musst er ruhig schlafen.

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