Der Diener mit dem verstorbenen Herrn

From Pasakas un teikas
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Ein Herr war boshaft, ja, geradezu teuflisch. Als er gestorben war, ließ er seine Frau nicht in Ruhe: er plagte und erschreckte sie jede Nacht. Da ließ sich der Knecht des Hauses sich blecherne Handschuhe und einen Sarg anfertigen und legte sich neben den Herrn im Grabgewölbe hin. Um Mitternacht erhob sich der Herr aus dem Sarg, der Knecht ebenfalls. Da fragte der Herr: "Ansis, bist du gestorben?"

"Ja, Herr, ich bin gestorben?"

"Zeige mir deine Hand!" Der Herr ergreift die Hand: ja, sie ist kalt und steif.

Da sagt der Herr: "Komm mit mir mit, Ansis!"

Als sie vor die Haustür kamen, sagte der Herr: "Ansis, geh du zuerst hinein!"

Aber Ansis: nein und nein! Er habe es zu seinen Lebzeiten nie getan, noch weniger wolle er es als Toter tun. Es schicke sich nicht, vor dem Herrn ins Haus zu gehen.

Da verlangt der Herr wieder: "Zeige mir deine Hand!" Er ergreift die Hand — sie ist kalt und steif wie vorher. Nun geht der Herr voran. Als sie in die Kammer seiner Frau kommen, sagt der Herr zu Ansis: "Nun, Ansis, plage du jetzt meine Frau!"

"Nein, Herr," antwortet Ansis, "ich habe es zu meinen Lebzeiten nicht getan, noch weniger werde ich es als Toter tun!"

Da machte der Herr sich daran, selbst seine Frau zu plagen. Bald war die Gespensterstunde jedoch vorbei. Da rief der Herr: "Ansis, wir müssen fort! Geh du voran!"

"Nein, Herr, das werde ich nicht tun. Ich habe es nie zu meinen Lebzeiten getan, noch weniger werde ich es als Toter tun."

Da verlangte der Herr wieder, er solle ihm seine Hand reichen. Ja — die Hand war kalt und steif wie vorher.

Der Herr geht voran, die Tür öffnet sich von selbst. Beide kommen an ihre Särge. Der Herr sagt, Ansis solle in seinen Sarg steigen. Aber Ansis widerspricht: "Nein, Herr, wie ich zu meinen Lebzeiten bedient habe, so will ich es auch als Toter tun!"

Kaum hat der Herr sich in den Sarg gelegt, da schlägt Ansis den Deckel zu, schlägt dreimal darauf und ruft: "Amen, Amen, Amen! Wer gestorben ist, der soll ruhen und nicht umgehen!" Da konnte der Herr nur noch aus dem Sarge ihm zurufen:

"Hätte ich nur gewusst, dass du noch lebendig warst, dann hätte ich dich mit meinen eigenen Händen kaltgemacht!"

Der Diener ging nach Hause und erzählte alles der Frau des Herrn. Die Frau wurde sehr froh und heiratete ihn.

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