Der Diener mit dem verstorbenen Herrn

From Pasakas un teikas
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Es lebte einmal ein teuflischer König. Sein Schloss stand auf einem sehr hohen Berg. Wer zum Schloss hinaufgehen wollte, der musste immer rings um den Berg herumgehen, bis er endlich hinaufgelangte. Einmal erkrankte der König und kurz darauf starb er. Man brachte ihn zur Leichenkammer des Friedhofs. Aber der ungebärdige Tote kehrte nachts auf sein Schloss zurück und plagte die Haustiere. Seine Pferde wurden abgetrieben, und auch die Königin selbst ließ er nicht in Ruhe.

Die Königin war sehr betrübt und erzählte ihrem Diener von ihrem Kummer. Da verlangte der Diener Geldstücke von allen Geldsorten; dafür wollte er sorgen, dass der Tote nicht wiederkam. Gut. Er ließ sich eine Rüstung schmieden und legte sich in den Sarg neben den König. Mitten in der Nacht erhob sich der König und wollte zur Tür hinausgehen. Da rief der Diener: "Herr, wohin geht Ihr?

Der König fragte: "Wer bist du? Bist du gestorben?"

"Ja, Herr, ich bin gestorben!"

"Das ist nicht wahr!"

"So kommt und fühlt!"

Der König kam herbei und legte seine Hände auf die Rüstung: ja, er war kalt!

Jetzt betrat der König den Viehstall und schlug so lange das Vieh, bis den Tieren der Schaum aus dem Maul trat. Dann ging er zum Pferdestall und tobte dort ebenso. Der Diener musste hinter dem König die Tür schließen. Schließlich betrat er auch das Schloss, um die Königin auszupeitschen. Als er wieder weggehen wollte, sagte der Diener wie beiläufig: "Herr, wollt Ihr denn diesmal das Geld gar nicht zählen?"

"Ach, das hätte ich vergessen!" antwortete der König und ging an die Mauer. In der Mauer befand sich ein Geheimschrank, von dem niemand etwas gewusst hatte. Dann verschloss er wieder den Schrank, so dass kein Mensch etwas an der Mauer sehen konnte, und kehrte auf den Friedhof zurück.

Nun wollte er, der Diener sollte sich zuerst in den Sarg legen, aber der gehorchte ihm nicht. Schließlich legte sich der König zuerst in den Sarg. Nun ergriff der Diener eine Ebereschenkeule und schlug damit so lange auf den König ein, bis nur Fetzen von ihm übrig blieben.

Am nächsten Tag öffnete der Diener den geheimen Geldschrank und bekam einen großen Teil des Geldes auch für sich. Der König kam nie mehr aus seiner Gruft.

Ein Jahr später verstarb auch die Königin. Als die Tote beigesetzt wurde, sahen die Leute an der Stelle, wo der König gelegen hatte, einen schwarzen Raben hocken.

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