Der Diener mit dem verstorbenen Herrn

From Pasakas un teikas
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Comments: Eine solche Sage finden wir auch unter den Märchen. Vgl. Märchen Nr.20, Bd. IV. P.Š.


Als der ganz alte Großherr von Aumeisteri gestorben und begraben war, kehrte er immer wieder auf sein Schloss zurück und tobte dort herum. Er warf mit Stühlen und Tellern um sich, die aber wunderbarerweise heil blieben. Im Schloss konnte jedoch niemand Nachtruhe finden. Im Schloss lebte auch ein alter Diener, der sich vorgenommen hatte, das Übel zu beseitigen. Eines Nachts zog er sich an, nahm ein Schwert und begab sich auf den Herrenfriedhof. Aber der Herr war schon fortgegangen: das Grab war offen und der Sarg war leer.

Da zog der Diener mit dem Schwert einen Kreis um das Grab, stieg in die Grube hinab und legte sich in den Sarg. Er wartete auf die Rückkehr des Herrn. Als die Geisterstunde um war, kam der Großherr an sein Grab gerannt, aber er konnte den Kreis, den der Diener mit dem Schwert gezogen hatte, nicht überspringen. "Ho-ho! Was ist denn das! Der Geruch eines lebenden Menschen! Lass mich hinein!"

Der Diener aber ließ ihn nicht in das Grab. Er fragte, wo de Großherr gewesen sei. Aber der Großherr sagte es nicht. "Nun, dann wirst du eben nicht in dein Grab kommen," sagte der Diener und blieb ruhig im Sarg liegen.

Der Großherr merkte, dass es schlimm werden konnte, wahrscheinlich hatte er es auch eilig, ins Grab zurückzukommen, denn seine Zeit war gleich um. Nun begann er zu erzählen, dass er auf einer Hochzeit gewesen sei und dort die Braut und den Bräutigam erwürgt habe. Der Diener fragte, auf welche Weise man das Brautpaar wieder zum Leben erwecken könnte. Da sagte der Großherr, man müsse zur Quelle gehen und mit deren Wasser die Erwürgten an drei Stellen benetzen, dann würden sie wieder lebendig werden!

Nun stieg der Diener aus dem Grab und stellte sich an den Rand der Grube hin. Als der Großherr sich anschickte, in sein Grab zu klettern, schlug der Diener ihm mit dem Schwert den Kopf ab. Der Großherr fiel in das Grab und die Erde fiel über ihn und verschloss das Grab. Der Diener schlug mit dem Schwert drei Kreuzzeichen darauf.

Nun begab sich der Diener zum Hochzeitshaus. Die Hochzeitsgäste tranken und waren recht vergnügt. Nur die Braut und der Bräutigam fehlten — sie seien schon zur Klete gegangen, um sich zur Ruhe zu begeben. Der Diener erzählte, was geschehen sei, aber niemand wollte ihm recht glauben. Die Männer, die betrunken waren, begannen zu spotten und zu lachen. Die Frauen aber glaubten dem Diener und brachten ihn zur Klete (Vorratshaus), in der das junge Paar schlief. Der Diener klopfte an, aber niemand meldete sich. Er klopfte immer wieder — es blieb alles still. Jetzt riefen sie die Männer herbei und brachen die Dekce auf, denn die Tür war von innen fest verriegelt. Als sie nun in die Klete hinunterkletterten, fanden sie, dass der Bräutigam und die Braut beide tot waren.

Der Diener eilte zur Quelle, um das Wasser zu holen. Die Hochzeitsgäste jammerten und weinten. Als der Diener mit dem Wasser zurückkehrte, benetzte er die Stirn, die Brust und die Füße der Neuvermählten, die sich langsam zu rühren begannen und sich schließlich erhoben.

Von der Zeit ab ist der alte Großherr von Aumeistari nie mehr aus seinem Grab gekommen.

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