Der Diener mit dem verstorbenen Herrn

From Pasakas un teikas
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Zu einer Zeit, als Pest und Hunger im Lande wüteten, hatte ein Bauer 1000 Rubel, die er erspart hatte, unter der Schwelle des Vorratshauses vergraben, um sie vor seinen Angehörigen zu verstecken. Bald darauf starb der Bauer, ohne seiner Frau jedoch gesagt zu haben, wo das vergrabene Geld zu suchen sei. Nach der Beerdigung hat die Frau überall danach gesucht, aber leider vergeblich. Der Verstorbene aber fand keine Ruhe in seinem Grabe: er kehrte jede Nacht auf seinen Hof zurück, um nach seinem Geld zu suchen und seine Frau zu erschrecken. Die Ärmste lief schreiend zu anderen Leuten, um deren Schutz gegen den Verstorbenen zu suchen. Drei Nächte hintereinander war er schon gekommen, um seiner Frau die Stelle zu zeigen, an der er das Geld vergraben hatte, aber jedes Mal floh sie vor ihm davon. Einmal in der Dämmerung kehrte ein alter Mann auf den Hof ein und bat um Nachtlager. Gut. Die Bäuerin sprach mit ihm über dies und jenes und erzählte ihm schließlich auch von ihrem Kummer wegen des verstorbenen Mannes. Da sagte der Alte: "Das ist nicht so schlimm. Nach dem Abendessen will ich dir helfen!" Und was tat er? Nach dem Abendessen ging er hinaus, holte eine Pflugschar und stellte sich hinter die Tür des Vorhauses. Um Mitternacht rüttelte jemand an der Tür. Dann kam er in das Vorhaus, schloss die Tür und näherte sich der Stubentür. Als er jedoch plötzlich den Alten bemerkte, zog er die Hand von der Klinke zurück und fragte: "Wer ist da?" "Ich bin da," antwortete der Alte. Da sagte der Tote: "Reiche mir die Hand!" Der Alte legte ihm die Pflugschar in die Hand. Der Tote ergriff die Pflugschar und versuchte sie zu zerbrechen, aber das vermochte er nicht. Schließlich sagte er zu dem Alten: "Folge mir!" und führte ihn zur Schwelle des Vorratshauses: er solle an der Stelle Graben. Das, was er beim Graben finden werde, könne er behalten. Nachdem der Tote so gesprochen hatte, ging er davon. Der Alte brach die festgetretene Erde mit der Pflugschar auf und holte unter der Schwelle einen Geldtopf hervor. Er versteckte den Geldtopf in der Höhlung einer Eiche und legte sich schlafen. Am nächsten Morgen fragte die Bäuerin, was er ausgerichtet habe. Da sagte der Alte: "Ich habe den Verstorbenen mit dieser Pflugschar verjagt — sieh, wie er das Eisen verbogen hat." Das wäre nun das. Am nächsten Abend holte der Alte ein kleines verschimmeltes Geldstück (einen Fünfer) aus dem Topf und zog damit einen Kreis um sich. Dann machte er ein Feuer neben der Hohlen Eiche an und wärmte sich. Um Mitternacht erschien der Verstorbene und schrie ihn barsch an: "Schuft, was hast du mit meinem Geld getan? Bring es sofort meiner Frau! Tust du es nicht, so werde ich dich in Stücke zerreißen!" Da erschrak der Alte und sprang auf, wobei er dachte: "Der Tote wird mich gleich packen!" Aber der Tote vermochte nicht, über den gezogenen Kreis zu steigen. Der Tote versuchte noch zu drohen, aber der Alte tat, als höre er das nicht. Da ging der Tote fort. Am dritten Abend war er jedoch wieder zur Stelle: "Wirst du nun das Geld meiner Frau geben oder nicht?" Der Alte antwortete kein Wort darauf. Da forderte der Tote ihn auf, aus dem Kreis zu treten und ihm die Hand zu reichen: sie wollten Frieden schließen. Aber der Alte rührte sich nicht von der Stelle. Nun, wenn es denn so sei, so solle er wenigstens 30 Taler von dem Geld an die Armen verteilen. Gut, der Alte versprach es, und nun verschwand der Tote. Am nächsten Tag warf der Alte die versprochenen dreißig Taler in die Sammelbüchse für die Armen und verließ mit dem übrigen Geld die Gegend. Seit dem Tag ist der Tote nicht mehr erschienen.

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